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Seltenes HI-Virus passt sich offenbar an den Menschen an

Anfang des 20. Jahrhunderts sind mindestens vier Varianten des AIDS-Erregers HIV-1 (M, N, O, P) im westafrikanischen Regenwald unabhängig voneinander von Gorillas und Schimpansen auf den Menschen übergegangen. Für die AIDS-Pandemie mit bisher rund 60 Millionen Infektionen ist jedoch fast ausschließlich die Erregergruppe M verantwortlich. Jetzt haben Wissenschaftler um Professor Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie, und Dr. Daniel Sauter gezeigt, dass sich offenbar auch Erreger der Variante N dem menschlichen Wirt anpassen.

Seltenes HI-Virus passt sich offenbar an den Menschen an

Ihre Studie ist jetzt im Fachjournal PLoS Pathogens erschienen. Die Variante N passt sich offenbar immer mehr an den Menschan an. Ausgangspunkt für diese Vermutung ist ein Fall aus Paris: Nach einem Aufenthalt im westafrikanischen Togo wurde bei einem 57-Jährigen eine frische HIV-Infektion festgestellt – und zwar mit der Virengruppe N. Bis dahin waren nur rund ein Dutzend Infektionen mit diesem Typus bei Patienten aus Kamerun bekannt. Grund genug für Frank Kirchhoff und seine Arbeitsgruppe, dieses Virus näher zu untersuchen.

Mit interessanten Ergebnissen: „Nach Mutationen im Erbgut ist der analysierte AIDS-Erreger vom Typ N in der Lage, das Immunsystem genauso wirksam auszuschalten wie Viren der Gruppe M“, sagt der Biologe. Womöglich sei der mutierte, an den menschlichen Körper angepasste Erreger des französischen Patienten ein Einzelfall. In den kommenden Jahren müsse beobachtet werden, ob sich Infektionen mit HIV-1 N häufen. „Bei der Probe handelt es sich zudem um die erste bisher bekannte Ansteckung mit HIV-1 N außerhalb Kameruns“, ergänzt Kirchhoff.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler unterstreichen, dass sich Viren der Gruppe N noch immer ihrem potentiellen Wirt, dem Menschen, anpassen. Das gilt vor allem für das Protein des Virus und seine Fähigkeit, das Immunsystem zu überlisten. „Natürlich können auch andere Erregertypen mutieren, also etwa O oder P, und so eventuell zu vermehrten Infektionen führen“, sagt Daniel Sauter, der Erstautor der Studie. Aggressiver als der bereits weltweit verbreitete HI-Virus M seien sie aber nicht. Inwiefern sich die unterschiedlichen Virengruppen verändern, wird Gegenstand zukünftiger Forschung sein.

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