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AOK: Eine „Sommergrippe“ ist nicht immer eine

Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, steifer Nacken – da hat man sich wohl eine Sommergrippe eingefangen. Das ist zwar unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich, vorausgesetzt, man wurde nicht vorher von einer Zecke gebissen. Denn dann können grippeähnliche Symptome auch eine Infektion mit Borrelien anzeigen, den Erregern der sogenannten Lyme-Krankheit oder Lyme-Borreliose, die zu schweren Krankheitsbildern führen kann. Wer sich in Zusammenhang mit einer „Sommergrippe“ an einen vorangegangenen Zeckenbiss erinnert, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen, rät deshalb die AOK Baden-Württemberg. Nach deren Angaben müssen jährlich über 16.000 ihrer Versicherten, die an Borreliose erkrankt sind, ambulant oder stationär behandelt werden.

„Grippegefühl und Fieber sind unspezifische Symptome. Dagegen ist die sogenannte Wanderröte – Erythema migrans – ein fast untrügliches Zeichen für eine Borrelien-Infektion“, führt Dr. med. Martin Lay, Arzt für Allgemeinmedizin und beratender Arzt der AOK Baden-Württemberg aus. „Es handelt sich dabei um eine sich ständig vergrößernde Hautrötung um die Bissstelle herum. Die Wanderröte entwickelt sich bei den infizierten Personen meist schon im Anfangsstadium – normalerweise nach zwei bis drei Wochen. Es können aber auch Monate vergehen, bis sich diese typischen Hautveränderungen zeigen. Wird ein Verdacht auf Borreliose durch einen serologischen Test bestätigt, kann durch eine Behandlung mit Antibiotika späteren Gesundheitsschäden vorgebeugt werden.“

Borrelien können im Prinzip alle Organe beziehungsweise Körperteile (Haut, Lymphbahn, Nervensystem, Augen, Herz, Gelenke usw.) befallen. Deshalb kann die Borreliose zu sehr unterschiedlichen und damit unspezifischen Krankheitsbildern führen, wie zum Beispiel Gelenkentzündungen, Sehstörungen, Nervenlähmungen und Herzerkrankungen. Sie entwickelt sich meist schleichend, so dass es oft erst nach Jahren zur Ausprägung von Symptomen kommt. Da sie unspezifisch sind und die Patienten sich nach Jahren ohnehin kaum mehr an einen Zeckenstich erinnern können, bleibt eine Borreliose-Erkrankung nicht selten unentdeckt. Dr. Lay: „Nur wenn die Borreliose als Auslöser der Krankheitssymptome erkannt wird, besteht die Chance einer wirksamen Antibiotikabehandlung auch noch in späteren Stadien der Erkrankung.“

Borreliose wird fast ausschließlich durch Zecken übertragen. Im Gegensatz zu FSME, der durch Zecken übertragbaren Hirnhautentzündung, gibt es gegen Borreliose keine Schutzimpfung. Genaue epidemiologische Daten sind derzeit zwar noch nicht verfügbar, Experten schätzen aber, dass etwa 0,3 bis 1,4 Prozent der Menschen, die von Zecken gebissen werden, eine Borreliose entwickeln. Die Häufigkeit der Infektionen hängt von der Durchseuchungsrate der Zecken ab. In Deutschland vermutet man eine Durchseuchungsrate von durchschnittlich 20 Prozent; jährlich erkranken etwa 60.000 Menschen neu an einer Borreliose.

Hat sich eine infizierte Zecke in der Haut festgesetzt, dauert es in der Regel mehrere Stunden, bis die Borreliose-Erreger in die Haut eindringen, so dass das Infektionsrisiko relativ gering ist, solange man eine Zecke schnell entfernen kann. Deshalb rät der Arzt: „Nach jedem Aufenthalt im Freien und besonders nach Waldspaziergängen sollte man den ganzen Körper nach Zecken absuchen. Denn man merkt nicht immer, dass sich eine Zecke festgesetzt hat. Hat sie sich bereits in die Haut eingebissen, sollte man sie mit einer Pinzette langsam und vorsichtig herausdrehen, ohne sie zu quetschen. In Apotheken gibt es dafür spezielle Zeckeninstrumente. Außerdem sollte man zum Schutz vor Zecken auf Spaziergängen wenig ‚bloße Haut’ zeigen, sich eventuell auch mit Repellents schützen. Diese sind allerdings nur ca. 2 Stunden wirksam.“

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