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Pharmaindustrie beeinflusst angehende Ärzte

Medizinstudenten und angehende Ärzte werden von Vertretern der Pharmaindustrie beeinflusst, noch bevor im Rahmen der medizinischen Ausbildung die ersten Patientenkontakte stattgefunden haben. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle internationale Studie, in der 32 bereits bestehende Untersuchungen aus den USA, Kanada, Australien und Europa aus Datenbanken herausgesucht und erneut ausgewertet wurden.

Pharmaindustrie beeinflusst angehende Ärzte

Pharmaindustrie beeinflusst angehende Ärzte. TK Pressefoto

Die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchung wurden kürzlich im Fachjournal „Plos Medicine“ veröffentlicht. Trotz ursprünglich unterschiedlicher Fragestellungen der analysierten Studien lässt sich laut Studienleiter Aaron Kesselheim, der im Edmond-J.-Safra-Zentrum für Ethik an der Harvard-Universität tätig ist, eine eindeutige Tendenz zur Beeinflussung medizinischer Entscheidungen durch die Pharmaindustrie feststellen.

In Deutschland kontaktieren Pharmavertreter Studenten vor allem im Verlauf ihres Praktischen Jahres in den Kliniken und auf Fachkongressen. In den meisten Fällen sind sie auf Marketingstrategien der Pharmaindustrie nur unzureichend oder gar nicht vorbereitet. Der Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, fordert aus diesem Grund sogar eine politische Entscheidung – eine Änderung der Approbationsordnung und Modifizierungen in den Lehrplänen deutscher medizinischer Fakultäten.

Gefahr verpflichtender Geschenke

Ludwig betont, die Gefahr der Beeinflussung sei hierzulande mindestens so ernst zu nehmen wie in Amerika. Auch hier verteilt die Pharmaindustrie großzügig Präsente, sponsert Fortbildungen und nimmt in bedenklichem Maß Einfluss auf den medizinischen Nachwuchs. Zwar meinen viele der in den Untersuchungen befragten Studenten, sie seien immun gegen derartige Beeinflussung – die Praxis zeigt jedoch, dass Geschenke immer verpflichtend wirken. Im Fachjargon wird diese Verpflichtung zur Gegenleistung „Reziprozitätsregel“ genannt – ein bekanntes Phänomen.

In den USA gehen bereits einige Medizinstudenten gegen die gängige Praxis der Geschenke durch die Pharmaindustrie vor. Sie gründeten die American Medical Student Association (AMSA), um mögliche finanzielle Interessenkonflikte öffentlich zu machen. Die AMA wehrt sich gegen die Beeinflussung der medizinischen Versorgung, die sowohl das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bedroht als auch das Vertrauen in den Berufsstand unterminiert.

(ms)

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