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Schön ist nicht immer auch gesund – Vorbeugen beim Schuhkauf

Jahrtausendelang waren die Füße das wichtigste Fortbewegungsmittel des Menschen. Meist „Per Pedes“ bewältigte er große Distanzen. Heute dagegen nehmen uns Autos, Rolltreppen und Fahrstühle diese vielfach Bewegung ab, und die Füße dienen häufig als Trägerobjekte modischer Accessoires. Doch schön ist nicht immer auch gesund. Falsches Schuhwerk kann zu gesundheitlichen Problemen führen – in vielen Fällen schafft nur noch eine orthopädische Behandlung Abhilfe.

26 Knochen für den richtigen Tritt

Seit Jahren nimmt die Zahl der Menschen zu, die an Erkrankungen der Füße und schmerzhaften Fehlstellungen der Zehen leiden, wie Dr. Bruno Schweigert (53) feststellt, Chefarzt der orthopädischen Abteilung des Ortenau Klinikums in Gengenbach und Ärztlicher Leiter der größten orthopädischen Fachklinik in Südbaden (www.endoprothetik-ortenau.de). „Das Fußskelett ist von höchster Komplexität und verzeiht auf Dauer nichts“, so Dr. Schweigert. Aus 26 verschiedenen Knochen setzt sich das Fußskelett zusammen. Beim Gehen werden die Füße mit einem Vielfachen des Körpergewichtes belastet. Doch wenn Muskeln, Sehnen und Bänder erschlaffen, verliert das komplexe Fußskelett seinen Zusammenhalt. Folge: Die für das korrekte Gehen und Laufen so wichtige Gewölbeform senkt sich, der Fuß wird an den falschen Stellen belastet. Diese Überlastungen führen zu Schmerzen und langfristig zu Leiden wie Senkfuß, Spreizfuß oder Zehenfehlstellungen.

„Hallux valgus“: Der schiefe Zeh ist eine typische Fußerkrankung der Moderne

Fehlstellungen der Füße sind nicht nur schmerzhaft, sie können im wahrsten Sinne des Wortes den gesamten Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Deshalb sollten Patienten, die unter Schmerzen beim Gehen, Laufen oder sogar beim unbelasteten Fuß leiden, einen fußchirurgisch versierten Facharzt aufsuchen. „Der `Hallux valgus` ist einer der häufigsten Fälle“, so Dr. Schweigert. Die deutsche Übersetzung dieser Deformität lautet „Schiefzehe“, da die Großzehe deutlich zum Fußaußenrand abweicht. „Ein `Hallux valgus` kann zum einen erblich bedingt sein, zum anderen ist diese Zehenfehlstellung auch eine typische Fußerkrankung der Moderne. Die Fehlstellung wird durch Schuhe mit hohen Absätzen verstärkt, da hier der Vorfuß übermäßig stark belastet wird.“ In fortgeschrittenen Fällen kann diese Fehlstellung der Großzehe zu einer schmerzhaften Arthrose im Großzehengrundgelenk führen, einem sogenannten „Hallux rigidus“.

Vorbeugen beim Schuhkauf

Nicht immer ist gleich eine OP notwendig um die Fehlstellungen in den Griff zu bekommen. Manchmal helfen auch gezielte Fußgymnastik, Physiotherapie und eine korrekte Einlagenversorgung. Und natürlich sollte niemand unterschätzen, wie wichtig das Tragen gut passender Schuhe ist. Bei einer beginnenden Zehenfehlstellung ist der Wechsel von hochhackigen auf flachere Schuhe ratsam. Denn die Sohle von sogenannten High-Heels wirkt wie eine schiefe Ebene, auf der der Fuß in oft zu enge Schuhspitzen gedrängt wird. Die Zehen werden bei dauerhaftem Tragen geradezu in eine Fehlstellung gezwungen. Patentrezepte gibt es allerdings nicht: „Die Behandlung von Fußerkrankungen muss sehr individuell an den jeweiligen Patienten angepasst werden“, so Dr. Schweigert. „Ziel der Therapie ist es stets, den Patienten die normale Belastbarkeit und Gehfähigkeit zurückzugeben, wobei natürlich auch ästhetische Gesichtspunkte eine Rolle spielen.“

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