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Minderwertige Brustimplantate – das Dekolleté als Zeitbombe

Angst und Ungewissheit beschäftigen derzeit alle Frauen, die nach einer Brustvergrößerung mit aus Industriesilikon gefertigten Brustimplantaten möglicherweise eine tickende Zeitbombe mit sich herumtragen. Rund 500.000 Frauen sind betroffen und stehen vor der Entscheidung, nochmals eine Operation zur Entfernung der Kissen auf sich zu nehmen.

Minderwertige Brustimplantate – das Dekolleté als Zeitbombe

Minderwertige Brustimplantate – das Dekolleté als Zeitbombe

Zu klären ist auch, wie es zu einem solchen Versagen aller Kontrollmechanismen für Medizinprodukte kommen konnte. Bereits Mitte 2010 wurde bekannt, dass der französische Hersteller Poly Implant Prothèse (PIP) bei einem Großteil seiner Implantate ungeeignetes Industriesilikon verwendet hatte. Auch bei den baugleichen Produkten des Herstellers Rofil Medical Nederland B.V. stellte sich heraus, dass nicht das medizinisch zugelassene Material von NuSil Silicone Technology verwendet worden war, sondern minderwertige Stoffe wie Baysilone, Silopren und Rhodorsil.

Diese sind normalerweise im Bereich der Schmiermittel- und Kautschuk-Herstellung üblich, nicht aber im Operationssaal. Während die Gesundheitsbehörden in Frankreich sofort zur Entfernung der Implantate rieten, reagierten deutsche Ämter anfangs eher abwartend, da das Risiko noch nicht eindeutig zu bestimmen war. Insbesondere der ursächliche Zusammenhang von Krebserkrankungen und aus Rissen in der Hülle austretendem Silikon gilt immer noch als ungewiss. Zunächst empfahl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) betroffenen Frauen lediglich einen Arztbesuch zur Klärung der Risiken.

Nur bei beschädigten Silikonkissen wurde zu einer Operation geraten. Nachdem jedoch bekannt wurde, dass auch bei intakten Implantaten eine erhöhte Gefahr des „Ausschwitzens“ von Füllmaterial besteht, empfiehlt nun auch das BfArM zu einer Entfernung als Vorsichtsmaßnahme. Die Kostenübernahme für die OP müssen Betroffene mit den Krankenkassen klären. Bei medizinischen Indikationen für den Einsatz von Brustimplantaten sind die Kassen in der Pflicht. Bei rein kosmetischen Gründen könnten Patientinnen an den Kosten beteiligt werden.

Der Ruf nach einer genaueren Überprüfung des Medizinproduktegesetzes wird indes laut. Die minderwertigen Silikonkissen hätten nie zu einer CE-Kennzeichnung durch den TÜV Rheinland gelangen dürfen. Schon die geringen Kosten für die Produkte der Firma PIP hätten Ärzte aufmerken lassen sollen, sodass nun auch Mindeststandards für die Schönheitschirurgie gefordert werden. Bislang ist nur die Facharztbezeichnung „Plastische Chirurgie“ verbindlich.
(ms)

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