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Wer Essen sieht, bekommt Hunger

Was der gesunde Menschenverstand schon immer weiß, haben nun endlich Wissenschaftler gründlich evaluiert: Der Mensch ist einem Dickmacher-Hormon völlig hilflos ausgeliefert. Wer also vor lauter Appetit nicht abnehmen kann, ist unschuldig. Das ist die einzig gute Nachricht an den Ergebnissen deutscher Forscher.

Wer Essen sieht, bekommt Hunger

Die psychiatrische Abteilung des Max-Planck-Instituts, in München beheimatet, wies nach, dass allein das Ansehen leckerer Speisen schon genügend Appetit verursacht, um Diätpläne zunichtezumachen. Wer abnehmen möchte, darf nicht nur nichts Begehrtes essen oder riechen – er darf es vor allem auch nicht ansehen. Das gelingt in der Mediengesellschaft ganz besonders schwer, daher sollte künftig über manch Übergewichtigen vielleicht etwas nachsichtiger geurteilt werden. Denn er bekommt Heißhunger ganz ohne Hunger, allein durch den visuellen Reiz. Das haben die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts seriös nachgewiesen.

Das verantwortliche Hormon heißt Ghrelin, es wird durch optische Reize verstärkt ausgeschüttet, wie die Münchner Wissenschaftler im Fachblatt „Obesity“ vermeldeten. Zwar ist der Ghrelin-Spiegel auch an echten Hunger und an Sättigung gekoppelt, das ist seine ursprüngliche Funktion (ähnlich wie die des Blutzuckerspiegels). Er steigt aber auch ohne echten Hunger, wie an Versuchen mit gesunden Männern nachgewiesen wurden. Ihnen wurden Bilder von Schnitzel und Pizza ebenso wie von Schokoladenkuchen und Eiscreme gezeigt, und zwar unmittelbar nach einem ausgiebigen Frühstück. Ihr Ghrelin-Spiegel stieg, für ihre Ernährung ein unnötiger Vorgang. Nachgewiesen wurde das nicht nur durch Reaktionen und Befragungen der Probanden, sondern auch durch Messung ihrer Blutwerte. Auf andere Stoffwechselhormone wie Insulin oder Leptin hatten die Bilder hingegen keinen Einfluss, diese reagieren auf „echten“ Hunger.

Biochemie von Ghrelin

Das Hormon ist sehr mächtig, weshalb die Wissenschaftler eine Empfehlung aussprachen: Echte Diätwillige sollten Bilder von appetitanregender Nahrung meiden, so schwer das falle. Möglicherweise ist die Werbewirtschaft sogar mit Schuld an der westlichen Überernährung. Ghrelin jedenfalls ist nicht zu bremsen, es wird im Pankreas, in einer Vorstufe des Hypothalamus und in der Hypophyse produziert, ist mithin phylogenetisch sehr alt. Vermutlich dient es schon bei Tieren der visuellen Identifizierung von Nahrung, selbst wenn diese nicht zu riechen ist. Dass das Hormon eine Rolle bei der Adipositas-Entstehung spielt, vermutet man übrigens schon länger, wobei auch Schlafmangel eine Rolle spielen könnte. Der dadurch verursachte Stress erhöht die Ghrelin-Ausschüttung. Was kann man daher jemandem auf Diät empfehlen? – Schlaf dich dünn und kucke keine Werbebotschaften, die mit Essen zu tun haben.

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