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Mit genmanipulierten Zellen gegen Leukämie

US-Forschern ist in einer Pilotstudie in drei Fällen die Behandlung von Leukämie mit eigenen Immunzellen der Patienten gelungen. Die zuvor gentechnisch veränderten und anschließend per Injektion wieder eingeschleusten Zellen griffen die Krebszellen effektiv an und drängten bei zwei Patienten den Krebs erfolgreich vollständig zurück.

Prof. Ho: "Noch muss vor vorschnellen Hoffnungen gewarnt werden"

Prof. Ho: "Noch muss vor vorschnellen Hoffnungen gewarnt werden" (Bild: GMF-Productions, flickr)

Wie die Wissenschaftler in den Fachmagazinen „Science Translational Medicine“ und „New England Journal of Medicine“ berichten, übertraf der Erfolg alle Erwartungen. Jede genmanipulierte Immunzelle zerstörte tausend Krebszellen.

Noch muss laut Professor Anthony Ho vom Heidelberger Universitätsklinikum jedoch vor vorschnellen Hoffnungen gewarnt werden. Seiner Überzeugung nach ist zwar klar nachgewiesen worden, dass das Prinzip grundsätzlich funktioniert, aber die Strategie müsse sich nun erst noch in größerem Umfang beweisen. Oft würden in solchen größer angelegten Studien die Erfolge wieder relativiert.

Bei den krebskranken Patienten der Pilotstudie handelte es sich um drei Männer im Alter zwischen 65 und 77 Jahren, bei denen verschiedene Chemotherapien keine dauerhaften Erfolge gebracht hatten. Eine Stammzellentransplantation mit Zellen von Fremdspendern war nicht möglich, sodass es keine Therapie-Alternative mehr gab.

Den drei Betroffenen wurde eine spezielle Form von Immunzellen entnommen, die sogenannten T-Zellen. Diese besitzen besondere Andockstellen, mit denen sie von Viren befallene oder durch Krebs veränderte Zellen wahrnehmen und zerstören. Die in die T-Zellen eingeschleuste neue Erbgutanlage bewirkte die Produktion einer weiteren Andockstelle, die einen anderen Typ von Immunzellen attackiert: die B-Zellen, deren ungebremstes Wachstum die chronische lymphatische Leukämie der drei Patienten verursachte.

Die Nebenwirkungen waren immens: Herzkreislauf- und Nierenprobleme, Durchfälle, Schwindel, Atemnot, Fieber und das lebensbedrohliche Tumorlyse-Syndrom traten auf. Die Patienten erholten sich jedoch von den heftigen Nebenwirkungen. Obwohl bislang bei zwei Patienten eine komplette Remission besteht, ist ein Rückfall nicht ausgeschlossen. Als langfristige Nebenwirkung der neuen Therapie besteht zudem eine deutlich gesteigerte Infektanfälligkeit.

Inzwischen ist ein Patent für die Therapie angemeldet und weitere Studien werden geplant.

(ms)

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