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Asthma-Patienten: Aufregung über Placebo-Studie

US-Mediziner geben sich erzürnt über die Schlussfolgerungen einer neuen Studie, in der bei Asthma-Patienten die Wirksamkeit von Scheinmedikamenten und -therapien im Vergleich zu echten Medikamenten und Therapien untersucht wurde. Das subjektive Empfinden konnte durch die Placebos ebenso verbessert werden wie durch herkömmliche Mittel.

Asthma-Patienten profitieren von Scheinmedikamenten

Asthma-Patienten profitieren von Scheinmedikamenten (Grafik: University of Washington)

Dieser nachweisbare Placebo-Effekt unterstützt eine wachsende Ablehnung vieler Menschen gegen die Schulmedizin – sie fühlen sich mit zu vielen, zu schnell verordneten Medikamenten und ohne ausreichende ärztliche Beratung immer öfter im Stich gelassen. Aus diesem Grund wenden sich viele Kranke alternativen Heilmethoden zu.

Im Laufe der kritisierten Placebo-Studie wurden rund 40 an leichtem Asthma leidende Menschen in mehreren Sitzungen unterschiedlich behandelt. Zum Einsatz kamen ein Inhalator mit dem Wirkstoff Albuterol, ein Placebo-Inhalator und eine Schein-Akupunktur ohne tatsächlichen Einsatz von Nadeln. Eine Kontrollgruppe erhielt in dieser Zeit keine ärztliche Behandlung.

Anschließend erfolgten Messungen der Atemkapazität (Einsekundenkapazität) und die Probanden wurden nach ihrer persönlichen Einschätzung hinsichtlich des Behandlungserfolgs befragt. Die Therapie mit dem Asthma-Medikament hatte bei den Betroffenen die Einsekundenkapazität um 20 Prozent verbessert, was deutlich über den 7 Prozent bei den nicht behandelten oder mit einer Placebo-Therapie behandelten Patienten lag. Bei der Beurteilung des persönlichen Empfindens schnitten echte Therapie und Placebo-Therapie jedoch gleich ab: 40 bis 50 Prozent der Patienten empfanden eine Verbesserung ihres Leidens.

Gegen die Interpretation der kürzlich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Studie wettern indes US-Mediziner im großen Stil. Gleich mehrere Mediziner bezweifeln die Seriosität der Forschungen, insbesondere im Hinblick auf gefährliche Rückschlüsse.

Der deutsche Mediziner Paul Enck, Forschungsleiter in der Abteilung für Innere Medizin an der Uni-Klinik Tübingen bleibt hingegen gelassen. Es sei bekannt, dass Placebos keine Krankheiten heilen können – sehr wohl könnten sie aber Symptome lindern. Insofern sollen Placebo-Medikamente keine echten Medikamente ersetzen, sondern medizinische Behandlungen sinnvoll unterstützen.

(ms)

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