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Furcht vor Zwei-Klassen-Medizin wächst

Die Deutschen erhoffen sich in Zukunft von der Gesundheitsversorgung nichts Gutes. Wie stark die Angst vor Pflegenotstand, Ärztemangel und einer Zwei-Klassen-Medizin in der Bevölkerung ist, zeigt eine aktuelle Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie. Mehr als 2000 Bürger und 500 Ärzte wurden für den sechsten Gesundheitsreport des Finanzberaters MLP befragt.

Klassengesellschaft: Deutsche haben Angst für Zwei-Klassen-Medizin

Noch überwiegt die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem – im Vergleich zur Befragung vor zwei Jahren ist sie sogar gewachsen. 88 Prozent der Ärzte und 72 Prozent der Bevölkerung bewerteten das System als „gut“ oder „sehr gut“. Vor zwei Jahren hatten sich so zufrieden nur 82 Prozent der Ärzte und 64 Prozent der Bevölkerung geäußert.

Viele Deutsche befürchten jedoch einen schrittweisen Verfall der Gesundheitsversorgung. 79 Prozent erwarten eine Zwei-Klassen-Medizin und steigende Krankenkassenbeiträge. 57 Prozent gehen davon aus, künftig für Arztbesuche und Operationen selbst zahlen oder zuzahlen zu müssen. Auch der Sicherung der Pflege im Alter sehen die Befragten mit Besorgnis entgegen. Mehr als die Hälfte der deutschen (52 Prozent) rechnet damit, im Fall einer Pflegebedürftigkeit nicht genug abgesichert zu sein.

Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher, die in Berlin die Umfrageergebnisse vorstellte, bezeichnete die Erwartungshaltung der Deutschen als „relativ düsteres Szenario, das die Bevölkerung für die Zukunft hat“. Insbesondere in den ostdeutschen Gemeinden geht die Angst vor einem Ärztemangel um: Jeder Dritte beobachtet jetzt schon, dass Ärzte fehlen.

Nachhaltige Schritte seitens der Politik sind nun laut Ärztekammer gefragt. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery beklagte die Haltung der Politik – diese „habe ihren Führungsanspruch in dem Bereich aufgegeben“. Montgomery plädiert für eine „Priorisierung“, bei der die Gesellschaft selbst bestimmt, welche Leistungen für sie wichtig sind – eine Forderung, die für heftigen Widerspruch der Bundesregierung gesorgt hat.

(ms)

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