Home / Forschung / Allergien im Wohn- und Lebensumfeld

Allergien im Wohn- und Lebensumfeld

Dass Allergien zunehmen, erscheint schlimm genug, wodurch sie ausgelöst werden, ist jedoch schlimmer: Im ganz alltäglichen Wohn- und Lebensumfeld, durch Dinge, auf die man kaum verzichtet, werden immer heftigere allergische Reaktionen ausgelöst. Wissenschaftler leisten Detektivarbeit, um die Hintergründe aufzuklären.

Allergien im Wohn- und Lebensumfeld

Nagellack, Lippenstift und Zierpflanzen

In einer Untersuchung zu Allergien im Wohnumfeld stellte die Hamburger Forscherin Lisa Tyzak in ihrer Doktorarbeit fest, dass sich allergische Krankheiten innerhalb der letzten 20 Jahre verdoppelt haben, im Jahr 2011 schon ein Fünftel der deutschen Bevölkerung heimsuchten und dabei immer exotischere Ausmaße annehmen. Vom Leiden der Betroffenen abgesehen wird das richtig teuer, in Europa schätzt man jährlich 29 Milliarden Euro Krankheitskosten durch Allergien. Diese entstehen in jüngster Zeit vermehrt dort, wo sich Menschen bevorzugt aufhalten, nämlich in Wohnungen und Büros.

Eine belgische Studie wies bei 78 Prozent von Patienten mit Heuschnupfen eine Reaktion auf die eigenen Zierpflanzen nach. Etwa acht Prozent aller Allergien entstehen durch Nagellack, auch Lippenstift kann gefährlich werden. Menschen, die gegen Tierhaare allergisch sind, wechselten gern auf Eidechsen oder Schildkröten als Haustier, doch das kann kontraproduktiv sein. In München wurde bei einer 23-jährigen Frau eine Allergie gegen die Schuppen ihrer Hausechse nachgewiesen.

Über 20.000 Allergieauslöser

Im Jahr 2011 kannte man reichlich 20.000 Allergene, die zu identifizieren schwer sein kann. Die Nagellackallergie kann sich im Gesicht und Hals zeigen, wo mit lackierten Nägeln hingefasst wird. Textilien werden mit rund 8.000 verschiedenen Stoffen behandelt, schwarze Unterwäsche, ebenso Blusen und Leggins scheinen dabei bisweilen Allergien auszulösen. Weitere Farben waren DP Blau 106 und DP Blau 124, DP Orange 3 und DP Rot 1. Es geht auch noch heftiger: Eine junge Frau litt nach dem Sex unter heftigen allergischen Reaktionen, doch sie hatte sich keinesfalls einen Vaginalpilz oder gar eine Geschlechtskrankheit zugezogen. Sie reagierte schlicht allergisch auf den Samen ihres Partners, durch Kondome verschwand die Allergie.

Weitere Überempfindlichkeiten gibt es gegen Heftpflaster, Papier, Lidschatten, Rouge, Polituren, Retsina-Wein, Kaugummi und sogar Kopfhörer. In all diesen Produkten steckt als Bindemittel Baumharz oder Kolophonium, das Streicher auch zum Einschmieren ihrer Bogenhaare und Elektronik-Bastler zum Löten verwenden. Nahrungsmittelallergien schließlich können auch beim Küssen übertragen werden, und wogegen man allergisch ist, wird manchmal nur äußerst schwierig herausgefunden. Denn viele Allergene sind miteinander verwandt oder bilden Kreuzreaktionen aus. Allergiker können nur selbst erforschen, was sie krankmacht – und dann versuchen, die Stoffe strikt zu meiden. Andere Ratschläge gibt es gegenwärtig kaum.

Scroll To Top