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Warum Kinder oft unfair sind und nicht teilen können

Eltern kennen das Phänomen: Wenn es um Spielzeug geht, dann fällt Kindern das teilen oft schwer. Woran das liegt, das wollten Forscher jetzt genauer wissen. Leipziger Wissenschaflter des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften haben entdeckt, dass ein Zentrum im Gehirn noch nicht richtig ausgereift ist.

Warum Kinder oft unfair sind und nicht teilen können

Warum Kinder oft unfair sind und nicht teilen können. Foto: Flickr/CCMikebAird

Egoistische Impulse können Kinder offenbar noch nicht so gut unterdrücken, wie Erwachsene. Laut Forscher des Max-Planck-Instituts fehlen ihnen die „neuronalen Voraussetzungen“, um auch entsprechend handeln zu können. Die für die Verhaltenskontrolle wichtige Hirnregion wird offenbar erst sehr spät voll entwickelt. Daher ist faires Teilen im Grundschulalter leichter gesagt als getan. Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, bisherige pädagogische Strategien zur Förderung prosozialen Verhaltens von Kindern zu optimieren.

Forscher untersuchen das Teilen

Teilen ist ein konfliktträchtiges Thema – nicht nur bei Kindern. In der Regel fällt es ihnen aber besonders schwer, beispielsweise ihr Spielzeug mit den Freunden zu teilen. Die Forscher wollten daher wissen, wie und wann in der Entwicklung gerechtes Teilen gelernt wird. Woher wissen Kinder, was fair ist? Und werden sie einfach besser darin, egoistische Impulse zu kontrollieren? Die Forscher Nikolaus Steinbeis, Boris Bernhardt und Tania Singer führten Test mit insgesamt 174 Schulkindern zwischen sechs und 13 Jahren durch.

„Uns interessierte, ob die Kinder fairer teilen würden, wenn ihr Gegenüber das Angebot ablehnen konnte und inwiefern solche strategischen Anpassungen des Verhaltens von Alter und Gehirnentwicklung abhängig sind“, sagt Nikolaus Steinbeis, der Erstautor der Studie. Während die meisten älteren Kinder ihr Verhalten an die jeweilige Situation anpassten, fiel den jüngeren Kindern die Situation schwerer.  „Das hatte aber nichts mit der Intelligenz oder einem fehlenden Verständnis von Fairness zu tun“, sagt Steinbeis.

Warum Teilen so schwer fällt

Die Messung der Hirnaktivität der Kinder sollte Aufschluss über ihr Verhalten gaben. Dabei bemerkten die Forscher: Je älter die Kinder waren, desto stärker wurde dabei der sogennante laterale präfrontale Kortex aktiv, ein Hirnareal, das unter anderem für die Kontrolle des eigenen Verhaltens benötigt wird.

„Der präfrontale Kortex ist bekannt dafür, sich erst spät in der Entwicklung voll auszubilden und funktionell zu vernetzen“, sagt Nikolaus Steinbeis. Dass Kinder selbst dann im Test nicht fair teilten, wenn es strategisch klug gewesen wäre, ist demnach nicht auf mangelndes Verständnis zurückzuführen, sondern erklärt sich aus der späten Reifung einer Gehirnregion, die für Impulskontrolle wichtig ist.

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