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Testosteron: Hoher Hormonspiegel ist evolutionärer Luxus

Das Leben der Tsimané in Bolivien verläuft noch anders als das der Menschen in westlichen Nationen.  Die Forscher um Benjamin Trumble von der Universität von Washington in Seattle haben das Volk nun genauer unter die Lupe genommen. Denn der Testosteronspiegel der Männer liegt durchschnittlich um ein Drittel unter dem von Männern aus den USA.

Testosteron: Hormonspiegel ist evolutionärer Luxus

US-Forscher haben ihre Untersuchung im Journal  Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht. Die Forscher haben dabei das Volk der Tsimané in Bolivien unter die Lupe genommen. Der Alltag des Volkes sei körperlich viel anstrengender als der Alltag von Menschen in westlichen Industrienationen. Daher vermuteten sie, dass sich das auch im Hormonspiegel ausdrückt. Stattdessen weist der Stamm einen niedrigeren Testosteronspiegel auf als Männer in den USA.

Warum wenig Testosteron besser ist

Forscher haben dabei auche eine Theroie, warum das so ist: Ein hoher Testosteronspiegel dämpft das Immunsystem. Es ist daher für das Volk in Bolivien sinnvoll, wenig Testosteron zu produzieren. Denn sie leben inmitten der Natur mit vielen Parasiten und Krankheitserregern. Der hohe Hormonspiegel der Amerikaner sei laut Benjamin Trumble ein evolutionärer Luxus.

Den können sich offenbar Männer in den USA nur leisten, weil das Risiko einer Infektion relativ gering ist. Der niedrigere Testosterongehalt ist für den Stamm der Männer in Bolivien dabei kein Nachteil. Durch Testosteron wird mehr Muskelmasse gebildet und das kostet Energie.

Testosteronspiegel und Männlichkeit

Der moderne Lebensstil von modernen Männern komme den Forschern zufolge damit einer Anomalie gleich. „Denn er sei eine Abweichung von der jahrtausendealten Lebensweise als Jäger und Sammler“, sagt Michael Gurven von der University of California in Santa Barbara.

Dabei unterscheiden sich die Tsimané in einem weiteren Punkt von Männern in den USA: Ihr Testosteronspiegel bleibt auch im Alter konstant. In Industriestaaten ist das aber anders. Hier sinkt der Spiegel im Laufe des Lebens.  Die Forscher maßen dabei den Testosteronspiegel der Männer auch nach einem Fußballspiel, um zu sehen, ob der Sport sowie der Wettbewerb etwas am Hormonspiegel ändern. Direkt danach war er bei den Bolivianern um 30 Prozent erhöht.

Testosteron für den Notfall

Das sei ein fundamentaler Mechanismus der menschlichen Biologie, der auch bei westlichen Männern genauso funktioniert. Laut Forscher sei es wichtig, den Testosteron-Spiegel in die Höhe treiben zu können. Dadurch haben Männer kurzfristig mehr Energie zur Verfügung, schreibt der Co-Autor der Studie Michael Gurven von der University of California. Im Notfall können also Männer schnell große Mengen des Hormons produzieren.

Das Volk in Bolivien wird seit 2002 im Rahmen des Tsimane Life and Health History Projects von Wissenschaftlern beobachtet.  2009 veröffentlichten Wissenschaftler um Gurven Ergebnisse, wonach die Tsimané so gut wie keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln.

 

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