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Union fordert Verbot von Schönheitsoperationen bei Kindern

Schönheits-OPs schon bei den Jüngsten? Wohl kaum jemand, dem sich bei der Vorstellung nicht die Nackenhaare kräuseln. Indes gibt sich die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) erbost ob des Vorstoßes von Unionspolitikern, Schönheits-OPs bei Minderjährigen zu verbieten. Die DGPRÄC bringt sogar die mögliche Verfassungswidrigkeit des geplanten Patientenrechtegesetzes ins Spiel.

Union fordert Verbot von Schönheitsoperationen bei Kindern

Union fordert Verbot von Schönheitsoperationen bei Kindern

Die Abgeordneten Erwin Rüddel, Johannes Singhammer, Jens Spahn und Wolfgang Zöller vertreten die Auffassung, Jugendliche seien sich der Reichweite ihrer Entschlüsse möglicherweise nicht immer bewusst. Aus diesem Grund möchten sie medizinisch nicht gerechtfertigte Schönheitsoperationen bei unter 20-Jährigen verbieten lassen. Der Anteil dieser Operationen an Kindern und Jugendlichen mache 10 Prozent aus – eine Zahl, deren Richtigkeit von der Chirurgen-Fachgesellschaft bezweifelt wird.

Die Fachgesellschaft hält dagegen, die Unionspolitiker würden bewusst mit falschem Zahlenmaterial arbeiten. Nach eigenen Erhebungen beträgt der Anteil der echten Schönheits-Ops – also ästhetische plastisch-chirurgische Eingriffe – lediglich knapp 1,2 Prozent. In die von der Union angeführten 10 Prozent seien alle plastisch-chirurgischen Operationen eingerechnet, beispielsweise auch die Behandlung von Verbrennungsfolgen.

Nicht nur der Sinn oder Unsinn rein ästhetisch begründeter Schönheitsoperationen steht zur Debatte, sondern es geht bei der Diskussion auch um Qualifikationen und Weiterbildungen von Schönheitschirurgen. So sagte der Präsident der Bundesärztekammer Anfang 2011 vor dem Bundestagsgesundheitsausschuss: „Den größten Teil der Schönheits-Operationen führen zum Beispiel Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgen durch, wobei sich der Kieferbereich bei denen dann bis in den Genitalbereich ausdehnen kann.“

Bislang erfordert es der Patientenschutz nicht, „einem bestimmten Fachgebiet zugeordnete Behandlungen nur durch Ärzte dieses Fachgebiets durchführen zu lassen.“ (Az.: 1 BvR 2383/10; Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 1. Februar 2011) Das neue Patientenrechtegesetz sieht jedoch einen grundsätzlichen Anspruch auf eine dem Facharzt-Anspruch entsprechende Behandlung vor. Dies widerspricht dem Grundrecht auf Freiheit der Berufsausübung nach Artikel 12 des Grundgesetzes. (ms)

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