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Studie: Herpesviren begünstigen Alzheimer

Die Wissenschaft sind bislang acht humane Herpesviren bekannt. Doch die Familie der Herpesviren ist groß: Mehr als 100 verschiedene Virustypen zählen die Virengattung, die vom Affen über Frösche und Fische bis hin zum Menschen zahlreiche Lebenwesen befallen. Acht Herpes-Virustypen verursachen beim Menschen Krankheiten. Sie werden deshalb auch als „Humane Herpesviren“ (HHV) bezeichnet und sind für unterschiedliche Erkrankungen und Symptome verantwortlich.

Durch ihre Studien entdeckten die Wissenschaftler vom „National Institute of Neurological Disorders and Stroke“ im US-Bundesstaat Maryland: Der Herpesvirus des Typ 6 wird mit der Entstehung degenerativer Krankheiten des Gehirns wie Alzheimer und Multipler Sklerose in Verbindung gebracht. In mehr als 40 Prozent der Proben fanden sie das Virus in der Nase. Sie zeigten durch Untersuchungen an Toten, dass das Herpesvirus auch im Gehirn vorhanden sein kann. Bestimmte Herpesviren gelangen dabei möglicherweise durch die Nase ins Gehirn. Forscher aus Amerika wiesen Viren vom Typ 6 (HHV-6) in der menschlichen Nasenhöhle nach. Dabei wurde dieser Typ erst 1986 entdeckt. Im Erwachsenenalter sind mindestens 80 Prozent der Bevölkerung seropositiv, das heißt sind mit dem Virus infiziert, allerdings ohne wesentliche Symptome.

Die Viren nutzen der Untersuchung zufolge Zellen als Transportschleuse, um über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn zu dringen, schreiben die US-Forscher in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften.

Durch die Hinweise darauf, dass Herpes für Krankheiten wir Alzheimer verantwortlich ist, könnten neue Therapiemethoden oder auch Impfungen entwickelt werden. Zuvor müssen jedoch größere Studien den Verdacht erhärten, dass Herpes tatsächlich mit degenerativen Erkrankungen des Gehirns mitverantwortlich ist.

Der Zusammenhang zwischen Herpes-Viren und der Alzheimer-Krankheit ist nicht neu: Forscher der University of Manchester haben im Fachmagazin „Journal of Pathology“ (2008; 217: 131-138) veröffentlicht: In den Gehirnen von Alzheimer-Patienten fand das Team die DNA des Virus genau dort, wo die typischen und vermutlich schädlichen Verklumpungen – sogenannte Plaques – auftraten. Die Wissenschaftler vermuten, dass Herpesviren vermehrt in das Gehirn von älteren Menschen eindringen, wenn deren Immunabwehr an Kraft verliert.

Unter Stress oder beim gleichzeitigen Auftreten anderer Infektionen könnten die Viren dort aktiv werden und Schäden an Gehirnzellen verursachen. Diese Zellen sterben ab, es entwickeln sich sogenannte Plaques. Nach Ansicht der meisten Experten sind sie für Alzheimer verantwortlich.

Allerdings gibt es auch erste Hinweise darauf, dass die Plaque-Theorie möglicherweise eine falsche Spur sein könnte. Wissenschaftler bezeichnen diese als Müll und gleichzeitig als Ursache für die Entstehung von Alzheimer. Ein Forscherteam um Rudolph Tanzi vom Massachusetts General Hospital in Bostondass zeigte 2010, dass die Plaques offenbar eine schützende Funktion haben. Sie hemmen nämlich Candida-Hefezellen, Streptokokken und andere Bakterien in ihrem Wachstum.

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