Home / Forschung / Forscher entdecken Prostata-Gewebe bei Frauen

Forscher entdecken Prostata-Gewebe bei Frauen

Österreichische Forscher haben eine verblüffende Entdeckung gemacht: Die Hälfte aller Frauen verfügt über Gewebe, das der männlichen Prostata ähnelt.

Den Ausgangspunkt der Studie, die von Wolf Dietrich von der Wiener Universitätsklinik für Frauenheilkunde geleitet wurde, bildeten bereits erkannte Krankheitsbefunde. Sehr selten erkranken auch Frauen an Karzinomen aus dem Drüsengewebe der Harnleiter. Ziel der wissenschaftlichen Untersuchung war es, herauszufinden, ob sich in weiblichen Gewebeproben der Harnleiter prostataspezifische Charakteristika nachweisen lassen.

Die im Fachmagazin „Journal of Sexual Medicine“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass bei 14 von 25 untersuchten Patientinnen Prostata-spezifisches Gewebe vorhanden war. Mit Androgen-Rezeptoren, einem Prostata-spezifischen Antigen (PSA) und einem Prostata-spezifischen Enzym verfügen 50 % aller Frauen über eine Art Prostata. Weshalb dies Gewebe bei Frauen vorhanden ist und welche Funktion es hat, konnten die Forscher noch nicht schlüssig erklären. Möglicherweise verfügen Männer und Frauen zu Beginn der Embryonalentwicklung über die gleichen Anlagen zur Drüsenentwicklung. Erst mit der späteren Entwicklung gehen unterschiedliche Ausprägungen der Anlagen einher, die beim Mann entsprechend umfassender ausfällt.

Aus dem Prostata ähnlichen Gewebe hervorgehende Krebserkrankungen sind bei Frauen im Gegensatz zum häufigen Prostatakarzinom beim Mann zwar ausgesprochen selten, grundsätzlich ist ein Krebsrisiko aber laut der Studienergebnisse auch bei Frauen vorhanden. Laut Wolf Dietrich sind bösartige Tumorbildungen aus diesem Gewebe heraus als „weibliche Prostatakarzinome“ zu verstehen, ähnlich dem bei Männern ebenfalls extrem selten vorkommenden Mammakarzinom, dem Brustkrebs.

Prostatakrebs zählt nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Deutschland zu den häufigsten männlichen Krebserkrankungen, mit einem tödlichen Verlauf bei zehn Prozent der Erkrankten. Auch bei Frauen könnten zukünftig Vorsorgeuntersuchungen das Risiko minimieren.

Scroll To Top