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Hirnstimulation bei schweren Erkrankungen des Gehirns

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. (DGN) diskutiert derzeit in Wiesbaden mit mehr als 4000 Medizinern die Beeinflussung der Gehirnaktivität durch den Einsatz von Magnetfeldern und Gleichstrom. In rund 250 klinischen Studien werden die Möglichkeiten der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) und der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) erforscht.

Hirnstimulationstechniken bei schweren Erkrankungen des Gehirns

Hirnstimulationstechniken bei schweren Erkrankungen des Gehirns

An diese neuen Verfahren knüpfen die Mediziner große Hoffnungen, zumal beide Vorgehensweisen mit relativ geringem technischem Aufwand verbunden sind und sich Operationen möglicherweise vermeiden lassen. Aus den USA gibt es bereits einige Erkenntnisse – so ist dort die hochfrequente Stimulation typischer Hirnregionen schon zur Behandlung von Depressionen zugelassen. In Deutschland sollen mehrere Versuchsreihen die Wirkung der sanften Hirnstimulation zur Therapie von Migräne, Tinnitus, Schmerzerkrankungen und Multipler Sklerose aufzeigen.

Der Direktor der Abteilung für Klinische Neurophysiologie an der Universitätsklinik Göttingen, Prof. Walter Paulus, sieht ein enormes Potenzial für die Erforschung und Weiterentwicklung der Neurorehabilitation durch tDCS und rTMS.  Prof. Paulus bezeichnete in Wiesbaden das Interesse an den neuen, sanften Methoden als „gewaltig“. Beide Methoden basieren auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Da die Aktivitäten von Nervenzellen über deren Membranspannung reguliert werden, lassen sich durch positive Membranspannungen Aktionspotenziale auslösen. Eine am Schädel angelegte Magnetspule sendet ihre Impulse bei der rTMS aus, während bei der tDCS zwei oder mehrere Elektroden auf der Kopfhaut angebracht werden.

Noch hemmt laut Auskunft von Prof. Paulus der hohe Personalaufwand insbesondere bei der rTMS eine weitere Verbreitung der Hirnstimulation. Sobald alle Nachweise zu Wirksamkeit und Sicherheit der Apparatur erbracht worden sind, könnte die tDCS eine weniger personalintensive Alternative sein, da sie grundsätzlich auch zu Hause angewendet werden kann.
(ms)

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