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Forscher arbeiten an Immuntherapie gegen Alzheimer

Über 20 Prozent der über 85-jährigen Menschen weltweit leiden an Alzheimer. Bei dieser Erkrankung sterben die Nervenzellen im Gehirn durch vermehrte Ablagerungen von Eiweißbestandteilen ab. Die Forschung arbeitet auf Hochtouren, um ein Medikament gegen die Krankheit zu finden. Schweizer Wissenschaftler haben eine neue Therapie entwickelt, die neue Hoffnung macht.

Forscher arbeiten an Immuntherapie gegen Alzheimer

Antikörper sollen die Alzheimer-Erkrankung stoppen.

Immer wieder überschlagen sich die Meldungen über neue Fortschritte und Meilensteine in der Alzheimer-Forschung. Doch ein Medikament, das die Krankheit stoppt und heilt, ist noch nicht entdeckt worden. Bei dieser Erkrankung sterben die Nervenzellen im Gehirn durch starke Ablagerungen von Eiweißbestandteilen ab. Forscher um Dr. Susanne Ostrowitzki von Hoffmann-La Roche in Basel haben jetzt die Ergebnisse ihrer Forschungen zu einem neuen Antikörper veröffentlicht, der spezifisch an Amyloid-Fibrillen bindet (Arch Neurol online, 10.10.2011). In mehreren unterschiedlichen Studien, wird derzeit die Wirkung von Antikörpern getestet. So erhoffen sich Forscher, das Fortschreitden der Erkrankung stoppen zu können.

In der Studie ging es darum die Wirkung eines bestimmten Antikörpers zu testen, um das verklumpte Amyloid aus dem Gehirn von Alzheimer-Kranken zu lösen. Eine Gruppe erhielt dabei Infusionen, die den Antikörper enthielten. Eine Kontrollgruppe erhielt nur ein Placebo. Das Ergebnis der Studie:  In der niedrigen Dosierung ging die Amyloid-Last – verglichen mit Placebo – um etwa 16 Prozent zurück, in der höheren Dosierung sogar um 35 Prozent. Ob Alzheimer-Patienten von einer solchen Immuntherapie gegen Beta-Amyloid profitieren können, ist noch weitgehend unklar.

Denn andere Wissenschaftler vermuten, dass bei Betroffenen die Gehirndegeneration schon so weit fortgeschritten ist, dass sie auch ohne die Amyloid-Ablagerungen weitergeht. Dieser Theorie zufolge würde ein von Beta-Amyloid angestoßener Prozess schließlich zur Bildung von zytotoxischen Zytokinen, oxidativem Stress und Tau-Fibrillen führen, die das Gehirn unabhängig von anderen Faktoren weiter zerstören. Dies würde auch das Phänomen erklären, dass bei einigen Alzheimer-Patienten nach einer Impfung gegen Beta-Amyloid die Amyloid-Plaques zwar komplett verschwanden, die Demenz aber unbeirrt voranschritt.

Zudem gibt es immer wieder Zweifel an der Rolle, die die Plaques bei der Erkrankung spielen. Bereits 1911 wurden bei der Autopsie von Gehirnen älterer Menschen, die zu Lebzeiten keinerlei Anzeichen von Demenz gezeigt hatten, Plaques gefunden. Forscher fanden dabei sogar Hinweise darauf, dass es Formen von Beta-Amyloid gibt, die sogar eine schützende Funktion im Gehirn ausüben. Die Bildung der Ablagerungen zu verhindern, ist nicht nur deshalb schwierig. Das Enzym für die Amyloidbildung ist gleichzeitig an der Entstehung von etwa 20 weiteren Eiweißen beteiligt. Wird es unterdrückt, werden lebenswichtige chemische Prozesse im Körper gestört. So ist bis jetzt immer noch kein Heilmittel gegen Alzheimer in Sicht.

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