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Neue Studie testet Psychotherapie per E-Mail

Bürostuhl statt Couch – sieht so die Psychotherapie der Zukunft aus? An der Universität Leipzig wird derzeit eine neue Heilbehandlung erprobt, die ohne persönlichen Kontakt zwischen Patient und Therapeut auskommt. Die Therapie wird per E-Mail abgewickelt.

Neue Studie testet Psychotherapie per E-Mail

Neue Studie testet Psychotherapie per E-Mail

An der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Leipzig wird die Internettherapie vor allem bei Traumatisierungen getestet. Behandelt werden beispielsweise Kriegstraumata und Posttraumatische Belastungsstörungen. Auch für die Verarbeitung von Trauer scheint die Internettherapie geeignet zu sein. Professor Anette Kersting vom Universitätsklinikum Leipzig bestätigte die Zufriedenheit ihrer Patienten mit der virtuellen Therapie. Insgesamt sei der Effekt der Behandlung sehr groß.

Bislang wird diese besonderer Form der Psychotherapie in Deutschland nur zu Forschungszwecken durchgeführt. Es gibt aber im Netz seit Längerem ähnliche Angebote, die teilweise jedoch unseriös sind. Wer professionelle psychologische Hilfe benötigt, sollte daher Vorsicht walten lassen. Allgemein gilt laut Jürgen Hardt, dem Präsidenten der Psychotherapeutenkammer Hessen: „Die Internettherapie ist als Ersatz für reguläre Psychotherapie nur bei bestimmten Verfahren und Methoden denkbar.“

In Fällen von schweren Depressionen, Alkohol- oder Drogensucht und Suizidgefährdung ist die Internettherapie grundsätzlich ungeeignet. Auch Professor Anette Kersting sieht zunächst noch enormen Klärungs- und Forschungsbedarf, um festzustellen, welche Störungen für diese Form der Behandlung geeignet sind. Aus den Niederlanden gibt es schon erste Erfahrungswerte. Dort wird die Internettherapie „interapy.nl“ bereits praktiziert und auch von den Krankenkassen finanziert. In Leipzig haben sich rund 200 Eltern, die nach einer Fehlgeburt um ihr Kind trauerten, an dem Projekt beteiligt. Über einen Zeitraum von fünf Wochen fand der Austausch zwischen Therapeut und Patient statt. Die Trauernden sollten ihre Gefühle und Ängste schriftlich per E-Mail mitteilen.

Innerhalb der nächsten 24 Stunden erhielten sie die Rückmeldungen vom Therapeuten. Der Austausch war von Vertrauen und Offenheit geprägt, obwohl nie ein persönlicher Kontakt stattfand. Möglicherweise beeinflusste die Anonymität gegenüber dem persönlichen Gespräch den Austausch sogar positiv. Ein neues Cyber-Therapie-Projekt in Leipzig legt nun den Fokus auf Essstörungen. Das Angebot ist offen für alle Betroffenen aus dem deutschsprachigen Raum.

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