Home / Forschung / Schlaganfälle sollten zuerst medikamentös behandelt werden

Schlaganfälle sollten zuerst medikamentös behandelt werden

Weil mehr Patienten nach dem Einsetzen eines Stents ins Gehirn einen weiteren Schlaganfall erlitten hatten oder gestorben waren als ausschließlich medikamentös behandelte Patienten, musste die amerikanische SAMMPRIS-Studie abgebrochen werden. In den USA kommt die Behandlungsmethode mit den Gefäßstützen in Röhrchenform wesentlich häufiger zum Einsatz als in Deutschland.

Schlaganfälle sollten zuerst medikamentös behandelt werden

Kritische Stimmen bezweifeln nun vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um fehlerhafte Medizinprodukte die Sicherheit von Stents in der Verhütung eines Schlaganfalls. Der Stent soll Engpässe im Gehirn erweitern, ähnlich wie bei den Herzkranzgefäßen. Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) kritisieren den sofortigen Einsatz eines Stents jedoch. Bei verengten Gehirngefäßen sollte zunächst eine maximale medikamentöse Therapie erfolgen, um einen weiteren Schlaganfall zu verhindern.

Therapie nach Schlaganfall

Erst wenn trotz einer intensiven medikamentösen Behandlung beim Schlaganfallpatienten weiterhin Durchblutungsstörungen im Gehirn auftreten, kann eventuell eine Behandlung mit Stents infrage kommen. Dies ist jedoch selten der Fall. In der SAMMPRIS-Studie oder „study for aggressive medical management plus percutaneous transluminal angioplasty and stenting“ hatten amerikanische Forscher „perkutane transluminale Angioplastie mit Stenting“ (PTAS) mit einer aggressiven medikamentösen Behandlung verglichen. Die Studie musste im April 2011 vorzeitig abgebrochen werden. Zu diesem Zeitpunkt waren erst 451 der geplanten 764 Patienten in die Untersuchung einbezogen.

Studie zum Schlaganfall

Professor Dr. med. Olav Jansen zeigt sich als Präsident der DGNR vom Institut für Neuroradiologie der Christian-Albrecht-Universität in Kiel wenig überrascht von den Ergebnissen der Studie. Er bezeichnet den Einsatz der Stents ohne vorherige bestmögliche medikamentöse Therapie als leichtfertige Ausweitung der Patientengruppe, die den in Deutschland geltenden Behandlungskriterien widerspricht. Trotz der negativen Ergebnisse von SAMMPRIS ist nach Ansicht der Experten die nun diskutierte generelle Ablehnung des Stent-Eingriffs aufgrund eines zu hohen Risikos medizinisch nicht gerechtfertigt und wird der Vielschichtigkeit der Erkrankungen nicht gerecht.
(ms)

Scroll To Top