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Wohlstands-Krankheit Gicht nimmt massiv zu

Als schwerste Form der Arthritis äußert sich die zu den Wohlstandskrankheiten zählende Gicht oft in unerträglichen Schmerzattacken, die sich vor allem in der Nacht quälend bemerkbar machen. Laut Prof. Stefan Schewe, der als Rheumatologe und Professor am Klinikum der Universität München tätig ist, sind aktuell etwa 2 Prozent aller Deutschen von der schmerzhaften Stoffwechselstörung mit einer Überproduktion von Harnsäure betroffen.

Gicht ist keine moderne Krankheit. Bild von James Gillray aus dem Jahre 1799.

Gicht ist keine moderne Krankheit. Bild von James Gillray aus dem Jahre 1799.

In der Folge lagern sich Harnsäurekristalle in Gelenken und Nieren ab und rufen Gelenkentzündungen hervor, die zu sehr schmerzhaften akuten Gichtanfällen führen können. Gicht ist keine „moderne“ Krankheit – viele berühmte Persönlichkeiten vergangener Epochen von Alexander dem Großen bis hin zu Goethe litten unter den schmerzhaften Folgen der Stoffwechselstörung – vor allem Männer. Die Häufigkeit nimmt jedoch in den letzten Jahren massiv zu. Wie Schewe erläutert, ist die Veranlagung für Gicht zwar erblich bedingt, dennoch zählt Gicht wie Diabetes und Bluthochdruck zu den sogenannten Wohlstandskrankheiten. Ausgelöst werden die Schmerzattacken erst durch üppige Kost, insbesondere hohen Fleischverzehr, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Übergewicht.

Ein Leben lang Gicht

Während die heftigen Schmerzen gichtgeplagter Patienten heute mit entsprechenden Spritzen gut in den Griff zu bekommen sind, schreitet die tückische Ablagerung von Harnsäurekristallen oft unbemerkt und unbehandelt voran. Die schwerwiegenden Folgen sind gravierende Schäden am Knochen, an den Gelenken und den Nieren sowie eine chronische Gelenkzerstörung. Zudem steigt laut einer amerikanischen Langzeitstudie mit dem ständig erhöhten Harnsäurespiegel auch die Gefahr tödlicher Herzerkrankungen.

Rheumatologe Schewe warnt ausdrücklich davor, die Erkrankung auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch wer schmerzfrei ist, hat weiterhin Gicht – ein Leben lang. Der Harnsäurespiegel muss durch Medikamente dauerhaft gesenkt werden. Zudem ist eine purinarme Ernährung wichtig, ebenso wie ein gesundes Maß an Bewegung.

(ms)

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