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Organspende: Wann ist ein Mensch tot?

Ist ein Mensch tot, wenn sein Gehirn keine Aktivität mehr zeigt? Was unterscheidet den Tod des Menschen von dem anderer Lebewesen? Die neu entfachte Diskussion über Organspende und Hirntod zeigt: Je größer die Verfügungsmacht über Körper und Leben ist, desto dringlicher wird es, eine angemessene Bestimmung des Todes zu gewinnen. Marburger Philosophinnen und Philosophen haben soeben ein Buch zum Thema vorgelegt, das die Kontroverse um das Hirntodkriterium aufgreift und philosophisch diskutiert.
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Organspende: Wann ist ein Mensch tot?

„Eine positive Bestimmung des Begriffs des Todes kann nur unter Bezug auf einen gehaltvollen Begriff des Lebens gewonnen werden“, erklärt das Herausgeberteam um die Philosophieprofessorin Dr. Andrea M. Esser. Der Band ist aus einer Tagung hervorgegangen, die im vergangenen Jahr an der Philipps-Universität stattfand. „Das Leben des Menschen ist schon allein deshalb Gegenstand vielfältiger begrifflicher Untersuchungen, weil es sowohl von den Formen der Lebendigkeit geprägt ist als auch von den Formen, die das personale Leben bestimmen“: Mit diesen Worten umreißen die Herausgeber den Ausgangspunkt der versammelten Aufsätze.

Der Ausdruck „Lebendigkeit“ bezeichnet hierbei ein Merkmal aller Lebewesen, während „Leben“ im Kontext des Alltags „unsere individuelle Lebensgeschichte, unsere persönlichen Erlebnisse, unsere Erfahrungen, Beziehungen und Tätigkeiten“ charakterisiert, „kurz einen spezifischen Sinn, den unser individuelles Dasein über längere Zeiträume zu erkennen gibt“.

„Menschen sterben als Personen“ – unter dieser Überschrift widmet sich Mitherausgeberin Esser im abschließenden Aufsatz des Bandes denn auch dem „Begriff des ‚personalen Todes‘“, so der Untertitel. Mit der Rede vom „personalen Tod“ sind freilich wiederum etliche philosophische Fragen verbunden: Sind alle Menschen als Personen anzusehen? Oder gibt es bestimmte Kompetenzen, über die man verfügen muss, damit man den Status der Person erlangt oder zugesprochen bekommt?

Zehn Autorinnen und Autoren beleuchten in ihren Beiträgen Todesdefinitionen und deren philosophische Grundlagen, stellen anthropologische Überlegungen zum Tod der Person an und untersuchen den Tod als soziale Praxis. Neben den Philosophieprofessorinnen Andrea M. Esser und Theda Rehbock sowie Daniel Kersting und Christoph Schäfer aus Marburg steuerten führende Fachleute aus der ganzem Bundesrepublik, den Niederlanden und der Schweiz weitere Artikel bei.

Die Veröffentlichung schließt die erste Phase eines Forschungsprojekts ab, das seit dem Jahr 2008 unter dem Titel „Tod und toter Körper“ den veränderten Umgang mit dem Tod in der gegenwärtigen Gesellschaft thematisierte, finanziell ermöglicht durch die Volkswagenstiftung. Seit Anfang 2012 läuft das Anschlussprojekt unter dem Titel „Transmortalität“, wiederum unter Beteiligung der Philipps-Universität.

Kommentare

  1. HilmarHirnschrodt

    Neutrale Information und transparente Aufklärung über die Vorgehensweise rund um die Organentnahme ist dringend von Nöten, denn leider kann die Organe von frisch Verstorbenen niemand mehr gebrauchen. Von wegen „Organspende“ nach dem Tod! Die Organe müssen leben und in einem aufwändigen Verfahren dem noch lebenden Körper entnommen werden, wenn sie transplantationsfähig sein sollen. Das ist der Grund, warum dazu passend der Kunsbegriff „Hirntod“ erfunden wurde. Dieser bedeutet eigentlich so etwa „Halbtod“ – das Gehirn und dessen Funktionen soll angblich tot sein, aber der Körper lebt noch. Diese Deffinition ist bei weitem nicht so sicher und klar, wie uns das die Ärzteschaft glauben machen möchte. Von Seiten der Organspende-Befürworter wird zwar immer wieder spitzfindig betont, es gäbe keinen Fall eines Hirntoten, der wieder aufgewacht wäre. Dieser Behauptung ist vordergründig auch nicht zu widersprechen, denn wer wieder aufwacht, kann kein Hirntoter gewesen sein. Folglich muß bei einem Wiedererwachten die Hirntoddiagnose falsch gewesen sein. Und tasächlich gibt es einige dokumentierte Fälle von Menschen die nach einer Hirntoddiagnose wieder aufgewacht sind! Leider läßt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, wieviele der als „Organspender“ ausgeweideten eigentlich wegen Hirntodfalschdiagnosen noch (über)lebensfähig gewesen wären. Vermutlich eine ganze Menge! Organtranasplantation scheint so etwas wie der Kanibalismus der Moderne zu sein, in dem sich einer im Bedarfsfalle die noch brauchbaren Teile eines anderen buchstäblich einverleiben lässt. Und wirklich „gerettet“ kann sowieso kein Leben je werden; es werden höchstens ein paar Monate oder im Idealfall auch Jahre an Lebenszeit – meist als Dauerintensivpatient – gewonnen. Aus diesen Gründen ist die aktuelle Praxis der Organspende meiner Meinung nach ethisch nicht vertretbar! Ausdrücklich davon ausgenommen sind Lebendspenden z.B. einer Niere, da hier sowohl der Spender als auch der Empfänger weiterleben können. Selbstverständlich ist jeder/m freigestellt sich dem Gewebe- und Organtransplantationssystem vertrauensvoll auszuliefern. Da ich mich jedoch der großen Missbrauchsgefahr nicht pauschal aussetzten möchte, trage ich konsequenter Weise vorsorglich immer einen Nichtspenderausweis bei mir, in drei Sprachen mit dem Wortlaut „Ich bin kein Organspender und kein Organempfänger!“

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