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Pest-Erreger noch existent

Vor rund 650 Jahren fielen in Europa an die 25 Millionen Menschen der Pest zum Opfer – die große Pandemie verbreitete sich im Mittelalter und raffte gnadenlos ein Drittel der Bevölkerung dahin. Auch heute noch sind die Erreger nicht ausgerottet – der sogenannte „Schwarze Tod“ ist weiterhin eine latente Bedrohung. Immer wieder bricht in verschiedenen Kontinenten die Pest aus, wenn auch nicht in einer solchen katastrophalen Größenordnung wie im Mittelalter. Die letzte Pestepidemie größeren Ausmaßes gab es 1994 in Indien.

Erreger des "schwarzen Todes" ist weiter existent

Erreger des "schwarzen Todes" ist weiter existent

Eine neue wissenschaftliche Studie, die von Forschern aus Deutschland, Großbritannien, Kanada und den USA durchgeführt und nun in der Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, befasst sich mit dem Bakterium Yersinia pestis, das zweifelsfrei als Quelle der mittelalterlichen Pandemie identifiziert wurde. In früheren Untersuchungen war die Pandemie-Theorie angezweifelt worden. Einiges schien auf einen engen Zusammenhang zwischen Virus-Infektionen (beispielsweise Ebola) und dem Schwarzen Tod hinzudeuten.

Obwohl in den vergangenen Jahren bereits mehrmals das Pest-Bakterium in Skelettfunden aus dem Mittelalter nachgewiesen wurde, konnte bislang nicht der Beweis erbracht werden, dass die DNA tatsächlich der eines Pest-Bakteriums aus dieser Epoche entspricht. Laut Aussage des an der neuen Studie beteiligten Tübinger Archäologen Johannes Krause ist nun jedoch erstmals ein wichtiger Teil der DNA von Yersinia pestis decodiert worden. Der eindeutige Nachweis gelang, weil die untersuchten Skelette von einem Londoner Friedhof stammten, der ausschließlich für Pesttote genutzt wurde.

Die heutigen Erreger ähneln zwar dem alten Pest-Bakterium, allerdings in einer abgeschwächten Form. Nach wie vor rätseln die Forscher, weshalb sich die Pest im Mittelalter so rasant ausbreiten konnte, während er im 21. Jahrhundert deutlich weniger aggressiv ist.

(ms)

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