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Zweitmeinung vor OP: Internetportal soll vor unnötigen Operationen schützen

Deutsche Chirurgen wollen mit finanzieller Unterstützung einiger Krankenkasse Patienten helfen, unnötige chirurgische Eingriffe zu vermeiden. Dies soll durch den Aufbau eines neuen Internetportals geschehen, auf dem unkompliziert unabhängige Zweitmeinungen und Gutachten eingeholt werden können.

Onlineportal bietet Zweitmeinung vor Operationen

Onlineportal bietet Zweitmeinung vor Operationen

Schon seit längerer Zeit bestehen sowohl unter Medizinern als auch bei Krankenkassen Zweifel über die Notwendigkeit zahlreicher Operationen. Prof. Dr. Jürgen Harms, einer der Initiatoren des Portals, sieht gemeinsam mit seinen elf Kollegen einen echten Bedarf an unabhängiger ärztlicher Beratung.

Das neue Projekt, das unter dem Namen „Vorsicht, Operation“ in Kürze an den Start geht, soll Patienten dabei unterstützen, notwendige Maßnahmen von sinnlosen oder zweifelhaften Eingriffen zu unterscheiden. Harms erklärt, er könne nicht zusehen „wie da draußen Operationen gemacht werden, die dem Patienten nichts bringen, sondern nur dem Arzt nutzen.“ Insbesondere Bandscheibenoperationen sind laut Harms in bis zu 45 Prozent aller Fälle vermeidbar, da viele Patienten auch mit konventionellen Maßnahmen behandelt und geheilt werden können.

Zur Ärztegruppe gehört mit Prof. Dr. Hans-Ulrich Steinau, Chefarzt an der Bochumer Klinik für Plastische Chirurgie, ein weiterer erfahrener Chirurg. Er plädiert dafür, Verantwortung zu übernehmen und die ausufernde Menge der Operationen einzugrenzen. Steinau wendet sich mit den anderen Gründern des Portals entschieden dagegen, operative Eingriffe als Allheilmittel anzusehen.

Die Nutzung des Portals „Vorsicht, Operation“ funktioniert folgendermaßen: Nach der Beantwortung wesentlicher Fragen zur Diagnosestellung und der Einsendung weiterer medizinischer Daten sowie Röntgenaufnahmen und Laborbefunde wird innerhalb von zwei Wochen ein unabhängiges medizinisches Gutachten erstellt. Die Kosten von 200 bis 600 Euro können von gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherern übernommen werden. Neben zwei Krankenkassen, der deutschen Betriebskrankenkasse und der privaten Debeka haben bereits weitere Kassen ihre Bereitschaft zur Erstattung signalisiert.

(ms)

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