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Depressionen bei Männern häufig unerkannt

Depressionen machen auch vor Männern nicht halt – doch viele männliche Betroffene weigern sich lange, die Symptome richtig zu interpretieren und professionelle Hilfe zu suchen. Depressive Männer entwickeln andere, teilweise aggressivere Strategien als Frauen, um ihre Krankheit zu unterdrücken: Sie steigern sich in ihre Arbeit, neigen zu unkontrollierten Wutausbrüchen und greifen verstärkt zu Alkohol.

Depression bei Männern: Arbeit, Alkohol und Wutausbrüche

Depression bei Männern: Arbeit, Alkohol und Wutausbrüche

Seit einigen Jahren gehen Wissenschaftler der Frage nach, warum Frauen zwar bis zu dreimal häufiger als Männer an Depressionen erkranken, die Selbstmordrate bei Männern hingegen dreimal höher ist als bei Frauen. Das „starke Geschlecht“ versucht oft lebensgefährlich lange, die Krankheit zu unterdrücken. Während bei Frauen die Depression in 40 Prozent aller Fälle erkannt und behandelt wird, ist dies nur bei 20 Prozent der männlichen Erkrankten der Fall. Die Deutsche Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) bietet aus diesem Grund spezielle Schulungen für Hausärzte an, damit diese die typisch männlichen Anzeichen einer Depression besser erkennen können.

Durch Flucht in Alkohol, Arbeit oder auch Sport versuchen Männer, Ablenkung zu finden. Oftmals schieben Sie Ihre Gefühlslage lieber als sogenanntes „Burn-out“ auf die selbst inszenierte berufliche Anspannung. Männer schämen sich mehr als Frauen, ihre Erkrankung als Depression zu akzeptieren und zuzugeben. Dadurch sind sie in hohem Maße gefährdet.

In der niedersächsischen Stadt Sehnde befindet sich seit Januar dieses Jahres als bundesweit einzigartiges Projekt eine Tagesklinik für depressive Männer. Hier werden die Betroffenen nach einem besonderen psychotherapeutischen Ansatz behandelt. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Stresstoleranz-Training. Die Männer lernen zudem, offen mit ihrer Krankheit umzugehen. Viele haben über einen langen Zeitraum versucht, sich „zusammenzureißen“ und zu funktionieren. Der Zusammenbruch lässt sich so aber lediglich hinauszögern.

(ms)

Kommentare

  1. Es wäre schön, wenn sich Männergesundheit eben nicht nur auf urologische Fragestellungen beschränken müsste. Allerdings bezweifele ich bei aller Anerkennung für Genderforschung und Überlegungen zu geschlechtsspezifischen Problemen, dass nun daraus sofort ein Handeln wird. Immerhin gibt es auch zunehmend Frauen, die sich genauso verhalten. Ähnlich wie beim Rauchen sind dies Trends, die früher oder später dann auch das angeblich „weiche“ Geschlecht genauso einholen. Anders ausgedrückt : Männer sind genauso emotional oder gefühlsphobisch wie Frauen.

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