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Zahl der Typ1-Diabetiker steigt rasant

Während die Hintergründe des Typ-2-Diabetes bereits zum großen Teil geklärt sind, liegen die Ursachen des Typ-1-Diabetes noch weitgehend im Dunklen. Eines aber zeichnet sich deutlich ab: Die Zahl der Erkrankten steigt beständig. Laut Michel Hummer, Diabetologe und Sprecher der Forschergruppe Diabetes e. V. am Helmholtz-Zentrum in München, hat sich die Anzahl der Typ-1-Diabetiker in Deutschland in den letzten 15 Jahren nahezu verdoppelt.

Dramatischer Anstieg der Diabetes-Patienten

Dramatischer Anstieg der Diabetes-Patienten

Eigentlich zählt der Typ-1-Diabetes zu den eher selten vorkommenden Stoffwechselstörungen und gilt als Autoimmunerkrankung. Gerade einmal 5 Prozent der Diabetiker leiden an dem Typ-1-Diabetes. Alle anderen sind vom Typ-2-Diabetes betroffen, einer Volkskrankheit. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft geht aktuell von etwa acht Millionen Diabetikern aus. Wie stark der Anstieg in den letzten Jahrzehnten war, macht der Vergleich mit dem Stand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs deutlich: Damals litten nur 600.000 Menschen in Deutschland an der Krankheit.

Als Auslöser des Typ-2-Diabetes, auch unter der Bezeichnung „Alterszucker“ bekannt, gelten Übergewicht, Bewegungsmangel und fettreiche Kost. Betroffene können mit sportlicher Betätigung und einer Ernährungsumstellung selbst einiges tun, um den Insulinhaushalt zu stabilisieren. Anders sieht die Lage bei den Typ-1-Diabetikern aus: Hier sind gleichermaßen Erbanlagen, äußere Einflüsse wie eine bestimmte Virusinfektion und eine Fehlsteuerung des Immunsystems beteiligt.

Der Diabetologe Michael Hummel zeigt sich besorgt darüber, dass bei Kindern nicht nur die Zahl der Typ-1-Diabetes Erkrankungen ansteigt, sondern der Ausbruch der Krankheit auch immer früher erfolgt. Die Kombination von bestimmten Genen und einer fehlgeleiteten Stimulation des Immunsystems in der Kindheit scheint zu einem frühen Ausbruch der Erkrankung zu führen.

Eine Erklärung können Wissenschaftler bislang noch nicht liefern. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass frühe Faktoren wie frühkindliche Ernährung oder auch virale Infektionen den Krankheitsverlauf beeinflussen. Eine lange Stilldauer scheint das Typ-1-Diabetes-Risiko zu verringern.

Bislang ist der Typ-1-Diabetes nicht heilbar, der Krankheitsverlauf lässt sich mit Immunsuppressiva aber verzögern. Darüber hinaus wird derzeit einen „Impfung“ mit Autoantigenen erforscht. Hauptziel der Forschung ist jedoch die Identifizierung der auslösenden Umweltfaktoren.

(ms)

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