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Bessere Überlebenschancen bei Herzinfarkt trotz Risikofaktoren

Eine neue US-Studie zu Risikofaktoren für den Herzinfarkt bringt erstaunliche und geradezu paradoxe Zusammenhänge ans Licht. Tatsächlich scheinen Risikofaktoren wie genetische Belastung, Diabetes, erhöhte Fettwerte, hoher Blutdruck und Rauchen die Überlebenschancen im Falle eines Infarkts zu erhöhen. Insbesondere bei einer Kombination verschiedener Risikofaktoren steigt für die Betroffenen zugleich die Wahrscheinlichkeit, das Ereignis zu überleben.

Herzinfarkt für Risikogruppen seltener tödlich

Herzinfarkt für Risikogruppen seltener tödlich

Die Forschergruppe um John Canto vom Center of Cardiocascular Prevention in Lakeland gelangte durch eine Auswertung des nationalen US-Registers für Herzinfarkte (NRMI) zu den überraschenden Ergebnissen. Rund 542.000 Herzinfarkte, die sich zwischen 1994 und 2006 ereignete hatten, wurden von den Wissenschaftlern untersucht. 50.788 dieser Patienten, die mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, waren dort verstorben.

Um die Zusammenhänge zwischen einem tödlichen Ausgang und Risikofaktoren zu ergründen, suchten die Wissenschaftler in den Akten der Patienten nach Angaben zu Vorbelastungen. Bei über 85 Pozent aller Herzinfarktpatienten lag mindestens ein Risikofaktor vor. Das Durchschnittsalter der Patienten, bei fünf Risikofaktoren zusammentrafen, betrug 57 Jahre, während die kleine Gruppe der Menschen ohne mindestens einen Risikofaktor durchschnittlich 72 Jahre alt war. In dieser Gruppe war die Todesrate mit fast 15 Prozent besonders hoch. Selbst bei einem Herausrechnen des höheren Alters aus der Datenanalyse blieb das Resultat gleich: Je mehr Risikofaktoren aufeinandertrafen, desto geringer war das Risiko, an den Folgen des Herzinfarkts zu sterben.

Auch der Direktor der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum in Berlin, Eckart Fleck, zeigt sich überrascht von den Ergebnissen der Studie: „Es gibt zwar nur eine kleine Gruppe von Menschen ohne Risikofaktoren, aber für sie sind Infarkte offenbar gefährlicher.“ Herzspezialist Fleck vermutet, dass es einen Unterschied zwischen den Infarkten von Patienten mit oder ohne Vorerkrankungen geben könnte.

Selbst die Autoren der Studie, die im Fachjournal „Jama“ veröffentlich wurde, haben noch keine schlüssige Erklärung für die Zusammenhänge.

(ms)

Grafik: Techniker Krankenkasse

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