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Neuer Wirkstoff gegen die Pest entdeckt

In Europa gilt die Pest als besiegt. Doch in anderen Teilen der Welt taucht sie immer wieder auf – in Madagaskar, im Kongo, in Peru. Weil die Erreger gegen gängige Antibiotika resistent werden, müssen dringend neue Wirkstoffe entwickelt werden. Dabei ist jetzt ein Fortschritt gelungen.
Neuer Wirkstoff gegen die Pest entdeckt
Pest: Hemstoffe hindern Bakterien-Enzyme an ihrer Arbeit.

Wissenschaftler von den Universitäten Würzburg und Stony Brook in den USA konnten in der Wirkstoffforschung gegen den Pesterreger einen Erfolg verzeichnen: Sie haben den Bindungs- und Wirkmechanismus von zwei neuen Hemmstoffen aufgeklärt, die den Erreger der Pest, das Bakterium Yersinia pestis, angreifen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Structure“ stellen sie die beiden Stoffe vor, die aus der Gruppe der Pyridone stammen. Die neuen Hemmstoffe lagern sich an ein Enzym des Pestbakteriums und behindern es bei seiner Arbeit. Wird jenes Enzym blockiert, dann stirbt der Pesterreger ab.

„Noch aber hemmen die beiden Stoffe das Enzym nicht gut genug“, sagt Professorin Caroline Kisker vom Rudolf-Virchow-Zentrum der Universität Würzburg. Darum sollen die neuen Hemmstoffe und ihre Wechselwirkungen mit dem Enzym jetzt weiter analysiert und verbessert werden. Strukturbiologin Kisker, ihre Doktorandin Maria Hirschbeck und Postdoc Jochen Kuper kooperieren dabei mit den Würzburger Chemikern und Pharmazeuten Professor Christoph Sotriffer und Steffen Wagner sowie mit Peter Tonge von der Stony Brook University.

Die Erreger der Pest leben normalerweise in Nagetieren, vor allem in Ratten. Durch die Stiche infizierter Rattenflöhe können sie auf den Menschen übertragen werden. Nach einem bis sieben Tagen stellen sich dann unter anderem hohes Fieber und Schüttelfrost ein. Dazu kommen schmerzhafte Schwellungen der Lymphknoten, die dadurch wie Beulen auf der Haut hervortreten. In seltenen Fällen platzen die Beulen laut Robert-Koch-Institut nach außen auf.

Im weiteren Verlauf können die Erreger auch innere Organe befallen, vor allem die Lunge. Blutiger Husten ist dann eine typische Folge. In diesem Stadium können die Erreger durch ausgehustete Flüssigkeitströpfchen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Ohne Behandlung mit Antibiotika endet die so genannte Lungenpest fast immer mit dem Tod. Bei der Beulenpest dagegen besteht auch ohne Behandlung eine Überlebenschance von 50 Prozent. Generell gilt: Wird die Pest frühzeitig erkannt, lässt sie sich gut mit Antibiotika behandeln – sofern diese noch wirksam sind.

Wissenschaftler vom Institut Pasteur in Paris haben 2010 zwei Pesterreger-Stämme gefunden, die nicht mehr auf Antibiotika reagieren. Beide stammten aus Madagaskar. Die südöstlich von Afrika gelegene Insel ist ein Schwerpunkt der weltweiten Pestausbrüche: Im Jahr 2010 wurden dort 313 Krankheitsfälle bekannt, so die Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO. Am zweithäufigsten trat die Infektion im Kongo auf (152), gefolgt von Peru mit 27 Fällen.

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