Home / Forschung / Wann Kinder lernen, vorausschauend zu handeln

Wann Kinder lernen, vorausschauend zu handeln

Im welchen Alter und auf welcher Weise lernen Menschen, ihre Handlungen im Voraus zu planen? Dieser Frage gehen Entwicklungspsychologinnen der Saar-Uni um Prof. Gisa Aschersleben gemeinsam mit Sportpsychologen der Uni Paderborn auf den Grund.

Wann Kinder lernen, vorausschauend zu handeln

Die Forscher stellten fest, dass das Vorschulalter von drei bis fünf Jahren eine entscheidende Phase für die frühkindlichie Entwicklung von geplantem Handeln ist. Und: Bei vertrauten Gegenständen wie Gläsern können Kinder deutlich früher ihre Bewegungen vorausplanen als bei unbekannten Gegenständen.

Im Rahmen einer Studie beobachteten die Wissenschaftlerinnen, wie drei- bis achtjährige Kinder Gegenstände umdrehen und erforschten so, ob und ab wann die Kleinen dabei den „richtigen Dreh raushaben“ und den vorausplanenden Griff mit dem so genannten „End-state Comfort Effect“ nutzen.

Ein Glas steht mit der Öffnung nach unten auf dem Tisch. Soll ein Erwachsener es umdrehen, macht er zunächst etwas Seltsames: Er verdreht Hand und Arm auf recht unbequem anmutende Weise, greift so das Glas, dreht es und stellt es richtig herum hin: Jetzt könnte er direkt trinken, denn am Ende ist seine Handstellung bequem und – ebenso wie das Glas – „richtig herum“. Dieses Phänomen, das Psychologen den „End-state Comfort Effect“ nennen, beweist: Es wurde vorausschauend gedacht und die Bewegung im Voraus geplant!

Was so selbstverständlich abläuft, dass kein Gedanke mehr daran verschwendet wird, ist dem Menschen nicht in die Wiege gelegt, sondern wurde irgendwann erlernt. Aber wann und wie? Wann beginnen Kinder, ihre Bewegungen derart zu planen? Rund 100 Jungen und Mädchen im Alter von drei bis acht Jahren – 16 Kinder in jeder Altersgruppe – drehten hierfür in einem Versuch Gläser um. In einem zweiten Versuchsaufbau steckten sie einen Holz-Stab, der an einer Seite auf eine kleine Platte montiert ist, in einen Holzklotz mit passendem Loch.

„Beim Versuch mit dem Stab steigern sich die Zahlen der Kinder, die den End-state Comfort Effect nutzten, von 13 Prozent der Dreijährigen bis zu 94 Prozent in der Gruppe der Achtjährigen“, erklärt Birgit Knudsen. „Dabei war auffallend, dass sich die Zahl der Kinder, die den Griff nutzten, zwischen drei und vier sowie zwischen vier und fünf Jahren jeweils verdoppelte“, so die Psychologin weiter. Das Vorschulalter ist demnach eine wichtige Phase, wenn es um geplante Bewegung geht, so die Folgerung der Forscherinnen. Im Alter von drei bis fünf Jahren machen die Kinder große Entwicklungsschritte und erwerben das für ein vorausplanendes Tun erforderliche Erfahrungswissen.

„Vorausschauendes Planen der Bewegungen erfolgt bei bekannten Gegenständen, mit denen die Kinder Erfahrungen im Alltag haben, deutlich früher“, erläutert Birgit Knudsen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscherinnen jetzt im Magazin Frontiers in Cognition.

Scroll To Top