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Neues Abrechnungssystem: Zahnarzt-Gebührensätze auf dem Prüfstand

Häufig ist nicht nur die Behandlung beim Zahnarzt schmerzhaft, auch die Zahnarztrechnung kann empfindlich wehtun. Das Abrechnungssystem der Zahnärzte gilt als intransparent; die wenigsten Patienten durchschauen das komplizierte Geflecht aus den verschiedenen Gebührenordnungen. Ein Beschluss des Verwaltungsbeirats des Spitzenverbandes der Kassen (GKV) soll in Zukunft für mehr Klarheit bei den Rechnungen sorgen.

Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, bestätigte gegenüber der Süddeutschen Zeitung die Pläne. Die Krankenkassen wollen im nächsten Schritt ein neues Abrechnungssystem in Form eines eigenen Preiskatalogs für die Zuzahlungen der gesetzlich Versicherten einführen. Zuzahlungen für Kronen oder Brücken, die zurzeit über die Gebührenordnung der privaten Versicherer abgerechnet werden, könnten künftig niedriger ausfallen.
Damit soll der zunehmenden Privatisierung der zahnärztlichen Versorgung entgegengewirkt werden. Die Patienten müssen einen immer höheren Anteil der Behandlungskosten privat tragen, weil Krankenkassen die vollen Ausgaben für die Behandlung nicht übernehmen dürfen. So rechneten Zahnmediziner im Jahr 2009 rund 76 Prozent aller Zahnersatzleistungen bei gesetzlich krankenversicherten Patienten über die private Gebührenordnung ab.

Patienten sind zudem verärgert über ungenaue Kostenvoranschläge. Die Rechnung überschreitet den veranschlagten Betrag oft beträchtlich. Die Statistik der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) zeigt, dass nicht die Behandlung selbst Anlass zur Beanstandung gibt, sondern unverhältnismäßig hohe Kosten. Nachdem 2005 die rot-grüne Koalition den Festzuschuss beim Zahnarzt eingeführt hat, der nur die Hälfte der Kosten einer Standardversorgung abdeckt, werden aufwendigere Behandlungen nach der teuren privaten Gebührenordnung berechnet.
Stackelberg will nun die Kassen in Pflicht nehmen, Patienten vor überhöhten Rechnungen zu schützen. Dazu soll zum einen die komplette Zahnarztrechnung von der Kasse geprüft werden, zum anderen über eine neue Gebührenordnung für die gesetzliche Krankenversicherung verhandelt werden.

Allerdings scheinen nicht nur Kosten und Rechnungen von Zahnärzten immer öfter auf dem Prüfstand zu stehen. Auch Therapien und Behandlungen stehen immer öfter in der Kritik. Der Bestsellerautor Dr. Lars Hendrickson kritisiert im Buch Zahnarztlügen beispielsweise die ganze Zahnmedizin, die laut dem Arzt keine Heilung kenne. Dabei gebe es einfache Mittel gegen Karies.
(ms)

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