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Werden Mandeln viel zu oft entfernt?

Werden die Mandeln  in manchen Gebieten viel zu oft entfernt oder viel zu selten? Diese Frage drängt sich auf, da die Entfernung vom Wohnort und offenbar nicht von medizinischen Argumenten abhängig ist. Das zeigen aktuelle Zahlen der Bertelsmann Stiftung.

Werden Mandeln viel zu oft entfernt?

Werden Mandeln viel zu oft entfernt?

Werden in Deutschland womöglich zahrleiche Mandelentfernungen völlig unnötig durchgeführt? Denn ob einem Kind die Mandeln entfernt werden oder nicht, das hängt vom Wohnort ab. Demnach wurden in Gebieten mit den meisten Entfernungen acht mal so viele Mandeln entfernt wie in den Landkreisen mit den niedrigsten Mandel-Operationen. Die Daten wurden dabei nicht nach Bundesländern ausgewertet, sondern nach Landkreisen und kreisfreien Städten.

Die Autoren der Studie haben festgestellt, dass es große Unterschiede bei der Indikationsstellung für eine Gaumenmandelentfernung geben muss. Während manche Ärzte schnell zum Messer greifen, scheinen andere Mediziner für das Belassen der Mandeln zu plädieren.

Mandelentfernung: Überflüssige Therapie?

Ärztliche Leistungen werden Kritikern zufolge immer häufiger vom Geld statt von medizinischen Notwendigkeiten bestimmt. Ein möglicher Anreiz könnte sein, „dass vor allem in kleineren HNO-Abteilungen von Krankenhäusern ein nennenswerter Teil des Operationsaufkommens auf Tonsillektomien (Mandelentfernungen) entfällt“, heißt es im Bericht. Stehen Ärzte unter Druck, Geld zu verdienen?
Immer wieder werden zudem Menschen operiert, die nur unter leichten Beschwerden leiden und dann erst recht gesundheitliche Probleme bekommen. Das werfen zumindest kritische Stimmen den Ärzten und Chirurgen vor, die vorschnell zum Skalpell greifen.

Schattenseiten der Medizin

Dem Medizinjournalisten Jörg Blech zufolge gibt es sogar einige Operationen, die bei Ärzten und den Arztfamilien seltener durchgeführt werden, zum Beispiel das Entfernen des Blinddarms, das Ausschaben der Gebärmutter, die Entfernung der Gebärmutter oder Leistenbruchoperationen. Auch Mandel-Operationen gehören dazu.

Auch in der Schweiz zeigte sich, dass Mandel-Operationen vom Wohnort abhängen: In Basel beispielsweise praktizieren, bezogen auf die Einwohnerzahl, dreimal mehr Hals-Nasen-Ohren-Ärzte als im Kanton Graubünden. Als Folge leben 40 Prozent aller Erwachsenen in Basel inzwischen ohne Mandeln, aber nur 25 Prozent der Bündner. Eine medizinische Erklärung gibt es dafür nicht.

Kommentare

  1. Immer und immer wieder wird deutlich, dass der Patient oft nur noch behandelt wird, um möglichst viel damit zu verdienen. Dass dadurch aber dem Körper nicht unbedingt Gutes getan wird, scheint vergessen zu werden.

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