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Demenzkranke: Psychopharmaka statt Betreuung?

Werden in Deutschland unzählige Menschen mit Psychopharmaka behandelt, ohne sie tatsächlich zu benötigen? Werden alte oder pflegebedürftige Menschen mit hochwirksamen Medikamenten ruhiggestellt, damit Krankenhäuser und Pflegeheime Kosten sparen können?

Demenzkranke: Psychopharmaka statt Betreuung?

Demenzkranke: Psychopharmaka statt Betreuung?

Dieser ungeheuerliche Verdacht wurde kürzlich in den Medien laut. Rund 240.000 Menschen, die an Demenz leiden, sollen in stationären Pflegeeinrichtungen oder bei ambulanter Pflege mit verschreibungspflichtigen Medikamenten behandelt werden, die nur dazu dienen, die Patienten ruhigzustellen. Das zumindest ist das erschütternde Ergebnis einer Analyse des Zentrums für Sozialpolitik an der Universität Bremen, die für die „Welt am Sonntag“ erstellt wurde. Der bekannte Bremer Sozialforscher Professor Glaeske, unter dessen Rigide die Untersuchung angestellt wurde, geht davon aus, dass die betroffenen Patienten die Medikamente nicht erhalten, um damit ihre Leiden zu hindern. Vielmehr gehe es vorrangig darum, den Heimen einen höheren Gewinn zu bringen, indem Pflegepersonal eingespart werden könne.

Der ungeheuerliche Verdacht ruft dann auch die SPD-Bundestagsfraktion auf den Plan, und der gesundheitspolitische Sprecher der SPD Karl Lauterbach übt entsprechend deutliche Kritik an der Gesundheitspolitik der Bundesregierung. Auch der neueste Gesetzentwurf zur anstehenden Pflegereform werde daran nichts ändern, könne er doch die Ansprüche der Demenzkranken aus der Pflegeversicherung nicht wirksam verbessern.

Einmal mehr wird nun die Forderung laut, mehr Geld in die Pflege zu investieren. Der hohe Betreuungsbedarf Demenzkranker sei bekannt, doch eine solide und menschenwürdige Pflege sei letztlich nicht zum Nulltarif erhältlich. Deshalb sei eine Reform der geltenden Pflegeversicherung dringend erforderlich, so die zuständigen Verbände.

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