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Parasit im Kopf verändert die Chemie des Gehirns

Die Vorstellung ist nicht gerade appetitlich: Der Parasit Toxoplasma gondii kann als sich als ungebetener Untermieter im Kopf einnisten, von dort aus in Gehirn eindringen und die die gesamte Gehirnchemie beeinflussen. Neuere Tierversuche an Mäusen zeigen, dass die Parasiten das Verhalten ihrer Wirte verändern.

Parasit löst Ausschüttung von Botenstoffen auf

Parasit löst Ausschüttung von Botenstoffen auf

Mit dem Toxoplasmose-Erreger infizieren sich Menschen vor allem durch rohes Fleisch und ungewaschenes Gemüse oder Obst, aber auch durch Katzenkot. Bei rund zwei Drittel aller Deutschen lassen sich Antikörper gegen den Parasiten Toxoplasma gondii nachweisen. Besonders gefährlich kann sich eine Infektion auf das ungeborene Kind auswirken, wenn Frauen sich während der Schwangerschaft anstecken.

Wie aus einer neuen Studie der University of Leeds hervorgeht, gibt es noch weitere gefährliche Folgen einer Infektion. Die Forschergruppe konnte zeigen, dass T. gondii in die Dopaminproduktion eingreift und eine verstärkte Ausschüttung des Botenstoffes auslöst. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf Bewusstsein, Verhalten und Bewegungen. Ein hoher Dopaminspiegel führt zu einem Anstieg der Risikobereitschaft, ein Mangel an Dopamin wird mit Krankheiten wie Parkinson in Verbindung gebracht. Die Mäuseversuche legten den Schluss nahe, dass die Parasiten das Verhalten ihrer Wirte offenbar zu ihrem eigenen Nutzen beeinflussen. So verloren mit Toxoplasmose infizierte Tiere ihre natürliche Angst vor Katzen. Damit erhöhte sich die Gefahr, gefangen und gefressen zu werden, wodurch der Erreger zum ursprünglichen Wirt zurückgelangen konnte.

Die Studie könnte einen neuen Behandlungsansatz für Erkrankungen liefern, die mit einer erhöhten Dopaminausschüttung in Zusammenhang stehen. Insbesondere Schizophrenie-Erkrankungen, die gehäuft bei infizierten Patienten auftreten, lassen sich so möglicherweise erklären.
(ms)

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