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Wie HIV das Immunsystem austrickst

Der Name ist Programm: Humane Immundefizienz-Virus, kurz HIV. Es trickst das menschliche Immunsystem regelrecht aus. HI-Viren nutzen die Fresszellen des Immunsystems als Versteck, in dem sie, unangreifbar durch Antikörper, überdauern.

HIV entgeht der Immunantwort in den Makrophagen.

HIV hat sich in den letzten Jahrzehnten so stark  verbreitet, dass etwa die UN-Organisation UNAIDS von bisher 25 Millionen Todesopfern ausgeht. Etwa 33,4 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Virus infiziert. Allerdings geht die Zahl der Neuinfektionen seit einigen Jahren leicht zurück. Trotzdem hat sich HIV auf der ganzen Welt ausgebreitet. Denn: Unser Immunsystem ist dem Virus praktisch ausgeliefert. HI-Viren nutzen die Fresszellen des Immunsystems als Versteck, in dem sie, unangreifbar durch Antikörper, überdauern. Von dort können die Viren direkt auf nicht infizierte Zellen übertragen werden. Das fanden Wissenschaftler aus Hamburg und München nun heraus und veröffentlichten ihre Erkenntnisse im renommierten virologischen Fachjournal Journal of Virology.

HI-Viren überdauern in Makrophagen, den Fresszellen des Immunsystems. Innerhalb dieser Zellen wird HIV in weitere Organe getragen und gelangt durch die Blut-Hirn-Schranke auch in das menschliche Gehirn und ins zentrale Nervensystem. Den Mechanismus, den das AIDS auslösende Virus für diesen Vorgang verwendet, hat das Team um Dr. Michael Schindler am Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums München jetzt beschrieben: Innerhalb eines Membransystems in den Fresszellen ist das Virus vor den Angriffen des Immunsystems geschützt.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, wie Reservoirs gebildet werden, in denen das HI-Virus im menschlichen Körper überdauern kann. Dies ist eine weitere wichtige Erkenntnis im Kampf gegen die unheilbare Infektion mit dem AIDS-Erreger“, erklärt Herwig Koppensteiner, Erstautor der Publikation. „Im nächsten Schritt werden wir mögliche therapeutische Angriffspunkte identifizieren, indem wir untersuchen, welche viralen und zellulären Proteine am Prozess beteiligt sind.“

Die HIV Infektion des Menschen kann durch antiretrovirale Medikamente unterdrückt, aber nicht geheilt werden. Ein Grund dafür ist, dass das Virus in sogennanten Reservoirs überdauert. Nur durch ein besseres Verständnis wie solche zelluläre Reservoirs entstehen und wie HI-Viren der Immunantwort entkommen, kann eine Therapie mit dem Ziel die Infektion zu heilen, entwickelt werden.

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