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„Ein weiterer Mosaikstein eines großen Puzzles“

HIV nutzt die Fresszellen des Immunsystems als Versteck, in dem sie, unangreifbar durch Antikörper, überdauern. Von dort können die Viren direkt auf nicht infizierte Zellen übertragen werden. Das fanden Wissenschaftler aus Hamburg und München nun heraus und veröffentlichten ihre Erkenntnisse im renommierten virologischen Fachjournal Journal of Virology.

HIV entgeht der Immunantwort in Makrophagen

HI-Viren überdauern in Makrophagen, den Fresszellen des Immunsystems. Innerhalb dieser Zellen wird HIV in weitere Organe getragen und gelangt durch die Blut-Hirn-Schranke auch in das menschliche Gehirn und ins zentrale Nervensystem. Den Mechanismus, den das AIDS auslösende Virus für diesen Vorgang verwendet, hat das Team um Dr. Michael Schindler am Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums München jetzt beschrieben: Innerhalb eines Membransystems in den Fresszellen (Makrophagen) ist das Virus vor den Angriffen des Immunsystems geschützt. Doch wie genau funktioniert dieser Prozess? Der beteiligte Forscher Dr. Michael Schindler vom Institut für Virologie des Helmholtz Zentrums in München erklärt im Kurzinterview wie HIV das Immunsystem austrickst.

HI-Viren nutzen die Fresszellen des Immunsystems als Versteck und sind damit unangreifbar für Antikörper. War dieser Vorgang so nicht bereits bekannt?

Es war bekannt, dass sich HIV in Makrophagen befindet. Neu ist jedoch die Erkenntnis, dass der Erreger dort vor Antikörpern geschützt ist.

Die Viren infizieren also von den Makrophagen aus auch nicht infizierte Zellen. Sind dies ebenfalls rein Fresszellen oder werden auch andere Zellen infiziert?

Von den Makrophagen aus kann das Virus T-Zellen und andere Makrophagen infizieren.

Wenn ein normales Virus, zum Beispiel ein Erkältungserreger, Menschen infiziert, produziert das Immunsystem Abwehrzellen. Werden gegen HIV also überhaupt keine Abwehrzellen gebildet?

Gegen HIV werden vom Immunsystem ebenfalls Antikörper gebildet, das Virus befindet sich ja auch nicht zell-assoziiert im Blut und Lymphknoten. Jedoch hat das Virus verschiedene Strategien entiwckelt, um den Antikörpern zu entkommen. Außerdem verändert sich das Virus rasch und wird so von den Antiköpren nicht mehr neutralisiert.

Warum werden die Viren vom Immunsystem nicht entdeckt bevor sie sich in den Fresszellen verstecken?

Die Viren werden in den Makrophagen produziert und direkt in intrazellulären Kompartimenten eingelagert. (Anmerkung der Redaktion: Als Kompartimente werden verschiedenartige Räume innerhalb einer Zelle bezeichnet.)

Wie genau gelingt es dem HI-Virus sich in den Fresszellen zu verstecken? Ist dabei ein virales Protein beteiligt?

Diese Frage kann ich leider noch nicht beantworten. Wir arbeiten daran.

Die Erkenntnisse zeigen offenbar, wie Reservoirs gebildet werden, in denen das HI-Virus im menschlichen Körper überdauern kann. Sind diese Reservoirs also ausschließlich in den Makrophagen?

Es gibt Hinweise, dass sich das Virus auch in anderen Zelltypen einnistet, allerdings unterschiedliche Strategien nutzt. Unsere Erkenntnisse beziehen sich ausschließlich auf Makrophagen.

Die HIV Infektion des Menschen kann durch antiretrovirale Medikamente unterdrückt, aber nicht geheilt werden. Was bedeutet das konkret? Und kann die Erkrankung durch Medikamente zum Stillstand kommen?

Da sich das Virus in unterschiedlichen Reservoirs befindet ist es sehr schwierig, es zu eliminieren. Außerdem baut das Virus sein Genom – seinen Bauplan – in die zelluläre DNA ein. In diesem Zustand kann das sogenannte Provirus nicht vom Immunsystem erkannt werden. Die Virusvermehrung kann durch Medikamente aber sehr effizient unterdrückt werden. Setzt man die Medikamtente jedoch wieder ab, vermehrt sich das Virus erneut. Das heißt, die Behandlung muss lebenslang erfolgen, mit teilweise schweren Nebenwirkungen.

Wie wichtig ist der neu entdeckte Mechanismus für die Entwicklung einer Therapie?

Wie in der Forschung meistens, haben wir einen weiteren kleinen Mosaikstein eines großen Puzzles gefunden.

Denken Sie, dass die Wissenschaft schon bald ein Heilmittel parat halten wird?
Nein.

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