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Häufiger Brustkrebs-Fehlalarm bei Mammografie

In Deutschland und anderen Ländern empfohlene Früherkennungstests auf Brustkrebs unterscheiden nur unzureichend zwischen aggressiven und harmlosen Tumoren. Einer aktuellen norwegischen Brustkrebs-Studie zufolge werden mehr als 15 Prozent aller Frauen nach der Mammografie mit einer Krebsdiagnose konfrontiert, die sich als fehlerhaft erweist.

Häufiger Brustkrebs-Fehlalarm bei Mammografie

Häufiger Brustkrebs-Fehlalarm bei Mammografie

Mediziner und Krankenkassen empfehlen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eine regelmäßige Teilnahme am Mammografie-Screening im Abstand von zwei Jahren. Doch werden nicht alle bösartigen Tumoren bei der Untersuchung zuverlässig erkannt – dafür werden Krebsformen entdeckt, die sich im Nachhinein als Überdiagnosen erweisen. Im Fachmagazin „Annals of Internal Medicine“ veröffentlichten Harvard-Mediziner um Forschungsleiterin Mette Kalager nun das Ergebnis ihrer Studien, nach welcher der Anteil von Überdiagnosen mit 15 bis 25 Prozent deutlich höher liegt, als bislang angenommen.

40.000 Frauen hatten als Probandinnen an der Studie teilgenommen. Nach Einführung des Screenings in Norwegen im Jahr 1996 erkrankten etwa 7700 Frauen an Brustkrebs. Bei mehr Frauen als vor der Reihenuntersuchung wurde der Tumor in einem späteren Stadium erkannt, obwohl das Gegenteil der Fall hätte sein müssen. Eine falsche Krebsdiagnose erhielten zwischen 15 und 25 Prozent der 7700 Frauen. Die Folge ist häufig ein Leidensweg von Diagnostik und Therapie, der mit psychischem Stress verbunden ist.

Die Berechnungen der Wissenschaftler ergaben, dass von 2500 Frauen 2470 nie die Diagnose Brustkrebs erhält. Vor dem Tod durch Krebs wird eine von 2500 Frauen bewahrt, bei sechs bis zehn Patientinnen werden nach einer Überdiagnose Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapien durchgeführt. Krebsexpertinnen wie Joann Elmore und Suzanne Fletcher fordern Aufklärung über dieses Thema. Dass Vorsorgeuntersuchungen grundsätzlich sinnvoll und wichtig sind, wird indes nicht angezweifelt. In jedem Fall muss im Anschluss and die Krebsdiagnose nach einer Mammografie eine Biopsie des verdächtigen Gewebes durchgeführt werden.
(ms)

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