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Ist Diabetes „ansteckend“?

Infektionserkrankungen können Diabetes auslösen, und umgekehrt macht Diabetes die Betroffenen anfälliger für Infektionen – dies ist das Fazit der Fortbildungsveranstaltung „Diabetes und Infektion“ des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München. Überraschendes Ergebnis: Adipositas (krankhaftes Übergewicht), die mit dem Typ 2 Diabetes in engem Zusammenhang steht, kann im Hinblick auf das soziale Umfeld ebenfalls als „ansteckend“ bezeichnet werden.

Infektionserkrankungen können Diabetes auslösen.

Manche Erreger wie die Enteroviren stehen darüber hinaus im Verdacht, im Zusammenspiel mit anderen Faktoren Diabetes mellitus auszulösen. So tritt die Autoimmunerkrankung Typ 1 Diabetes gehäuft im Zusammenhang mit vorausgehenden akuten Infektionen auf. Zu ihnen zählen die Enteroviren 68-71, Echoviren, Polioviren und Coxsackieviren, die verschiedene Krankheitsbilder wie z. B. die Sommergrippe oder Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen. Professor Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der TU München hofft für die Zukunft im Sinne der Diabetesprävention auf die Entwicklung einer Impfung, die gegen eine breite Gruppe der Enteroviren wirksam wäre.

Patienten mit Diabetes stellen dabei für den behandelnden Arzt meist eine besondere Herausforderung dar: Wenn sie an Infektionen erkranken, muss der Diabetes immer mit behandelt werden. Infektionen können dann auch gravierende Stoffwechselentgleisungen auslösen. Umso schwerer wiegt, dass Diabetes-Patienten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung anfälliger für Infektionserkrankungen sind. Einige Infektionen verlaufen bei Diabetikern schwerer.

Parodontitis erhöht das Risiko für Diabetes

Patienten, die an einer Parodontitis leiden, also einer chronischen Entzündung des Zahnfleisches mit Knochenabbau, haben ein doppelt so hohes Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken wie Personen mit gesundem Zahnfleisch. Umgekehrt fördert diese chronische Stoffwechselerkrankung die Entstehung von Parodontitis: So ist das Risiko bei Diabetes-Patienten um das Dreifache erhöht. „Körperliche Aktivität und nicht übermäßig essen haben eine antiinflammatorische Wirkung“, erklärt der Experte Martin Füchtenbusch.

Ist Adipositas „ansteckend“?

Jeder vierte Deutsche ist krankhaft übergewichtig – Tendenz steigend. Dabei fällt auf, dass das Metabolische Syndrom gehäuft unter Menschen, die gut befreundet sind, grassiert. Einen Erklärungsansatz liefert Dr. Andreas Beyerlein vom Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München: „Je enger jemand mit einem Adipösen in Kontakt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, selbst krankhaft übergewichtig zu werden“, so Beyerlein. Es handele sich dabei um einen sozialen, keinen geografischen Effekt. „Im näheren sozialen Umfeld nimmt die Akzeptanz von Übergewicht zu, und Ernährungsmuster von Freunden werden eher übernommen.“

Ungesunde Ernährungsmuster beeinflussen langfristig die Darmflora. Sie besteht aus Mikroorganismen, die je nach genetischer Veranlagung in unterschiedlicher Zusammensetzung den Darm besiedeln. Eine dauerhafte kalorienhaltige Ernährung geht jedoch mit einer Veränderung der Darmflora einher, was wiederum Effekte auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Insulinresistenz hat. Bei der Insulinresistenz reagieren die Körperzellen zunehmend weniger empfindlich auf Insulin, das die Aufnahme des Blutzuckers (Glukose) in den Zellen reguliert. In der Folge entwickelt sich ein Typ 2 Diabetes. Eine Umstellung auf ballaststoffreiche Ernährung kann nach Aussage von Professor Hannelore Daniel vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TU München die Mikroorganismen im positiven Sinne modulieren und damit unter anderem den Glukosestoffwechsel günstig beeinflussen. Daniel fasste ihren Vortrag mit folgendem Appell zusammen: „Sei freundlich zu deinen Mikroorganismen.“ Man könnte als Ergebnis der Veranstaltung ergänzend zusammenfassen: „Und bekämpfe – wenn möglich – Erreger, die Diabetes fördern.“

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