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„Vieltrinker“ erleiden seltener einen Schlaganfall

„Und denken Sie bitte daran: immer viel trinken“. Kaum ein Arztbesuch, bei dem dieser Ratschlag fehlt. Wissenschaftlich untermauert ist er allerdings kaum. Einen Beleg für den Nutzen, bezogen auf vorgeschädigte Patienten, liefert die Doktorarbeit von Sabine Mücke, die sie an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster verfasste.

„Vieltrinker“ erleiden seltener einen zweiten Schlaganfall

Die Ergebnisse der Untersuchung sind jetzt im “Journal of the Neurological Sciences” erschienen. Zentrale Erkenntnis: Wer bereits einen Hirninfarkt – umgangssprachlich: Schlaganfall – erlitten hat, sollte tatsächlich viel trinken, denn das verringert das Risiko eines Rückfalls. Zuvor hatten bereits amerikanische Wissenschaftler Belege dafür gefunden, dass eine hohe Flüssigkeitsaufnahme das Risiko für Herzinfarkte vermindert.

„In den meisten Fällen sind Veränderungen an den Blutgefäßen, die das Gehirn versorgen, sogenannte arteriosklerotische Plaques, für einen Hirninfarkt verantwortlich“, erläutert Sabine Mücke. “Wenn sich Teile dieser Plaques lösen und in die immer feiner werdenden Verästelungen der Hingefäße gespült werden, kann es zu einem Gefäßverschluss kommen – und damit zum Schlaganfall.”

Mückes von dem Neurologen Prof. Stefan Evers betreute Arbeit stützt sich auf eine bereits in den 1990er Jahren durchgeführte Studie münsterscher Wissenschaftler. Die 563 Teilnehmer – überwiegend Patienten aus dem Ruhrgebiet – hatten wenige Wochen zuvor einen Schlaganfall erlitten. Die Nachbeobachtung erfolgte über zwei Jahre durch Untersuchungen in einer neurologischen Klinik sowie Hausbesuche eines mobilen Ärzteteams.

Der eigentliche Zweck dieser Studie war zwar ein anderer. Trotzdem gibt sie Aufschluss über den Zusammenhang zwischen Trinken und Schlaganfall:  Die Patienten wurden angehalten, möglichst viel zu trinken. Da die entsprechenden Angaben dokumentiert wurden, konnte die Forscherin jene nachträglich für ihre Fragestellung nutzen“. In einem Trinkkalender strichen die Probanden für je 100 Milliliter Flüssigkeit ein Kästchen ab – Kaffee und Alkohol zählten wegen ihrer entwässernden Wirkung nur zur Hälfte.

Zu 456 Probanden lagen verwertbare Angaben über die Trinkmenge vor; diese Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: diejenigen, die durchschnittlich mehr als zwei Liter getrunken hatten und diejenigen, deren Konsum darunter lag. „Beim Vergleich der Rückfallquote stellte sich heraus, dass die ‚Vieltrinker’ deutlich seltener einen erneuten Schlaganfall erlitten hatten“, so die Doktorandin. Bei ihnen lag die Quote 25 Prozent niedriger.

„Mehr als zwei Liter am Tag zu trinken scheint also sinnvoll, um einem weiteren Hirninfarkt vorzubeugen. Aber vermutlich auch generell, um einen ersten Schlaganfall und andere Probleme des Herz-Kreislauf-Systems zu vermeiden“, so das Fazit der Ärztin. Sie rät, die allgemein empfohlene Flüssigkeitsmenge von mindestens zwei Litern pro Tag auf jeden Fall einzuhalten, an heißen Tagen auch noch mehr zu trinken. Sabine Mücke: „Da das Durstgefühl mit dem Alter erfahrungsgemäß abnimmt, sollten bereits jüngere Leute darauf achten, ausreichend zu trinken. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese ‚gute Gewohnheit’ auch in späteren Lebensjahren beibehalten wird.“

Kommentare

  1. Richtig trinken kann man lernen. Wenn man genug trinkt, lässt es sich auch besser denken. Fast so, als würden dann die Hirnwindungen geschmeidiger werden. Aber es ist ja nicht nur das Hirn, das die Flüssigkeit braucht.

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