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Bittere Pillen: Kinder bekommen oft unnötig Antibiotika

Deutsche Ärzte verordnen offenbar viel zu oft Antibiotika – auch bei Virusinfektionen. Obwohl jene nur gegen Baktierien wirken, verschreiben Ärzte die Mittel gerade Kindern besonders häufig. Experten warnen jetzt davor, die Medikamente als „Beruhigungspille für die Eltern“ einzusetzen. Schließlich drohen Nebenwirkungen und Resistenzen.

Bittere Pillen: Kinder werden oft falsch mit Antibiotika behandelt.

Der „Faktencheck Gesundheit“ der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass bei Kindern mehr Antibiotika verschrieben werden als Erwachsenen. In ganz Deutschland wird jedem zweiten Kind zwischen drei und sechs Jahren mindestens ein Antibiotikum pro Jahr verschrieben – deutlich mehr als Erwachsenen. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen hat die möglichen Hintergründe dafür untersucht: Besonders oft werden Antibiotika bei einer akuten Mittelohrentzündung und einer fiebrigen Erkältung sowie einer Grippe eingesetzt.

Antibiotika helfen nur gegen Bakterien

Bei solchen Virusinfektionen sind Antibiotika aber wirkungslos. Experten zufolge besteht dadruch die Gefahr, dass Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen, wenn sie wirklich notwendig sind. Denn gegen Antibiotika resistente, bakterielle Erreger sind gerade in Krankenhäusern bereits zum Problem geworden. Dabei scheinen Kinder besonders oft Antibiotika zu bekommen: Jedes zweite Kind im Alter zwischen drei und sechs Jahren (51 Prozent) schluckt diese Mittel. Ob ein Antibiotikum verordnet wird oder nicht, ist in Deutschland auch abhängig vom Wohnort: Kinder im Nordosten Deutschlands erhalten doppelt so häufig Antibiotika wie Kinder in Süddeutschland.

„Ich glaube, es ist eine schwierige Situation zwischen Ärzten auf der einen Seite und Eltern auf der anderen Seite“, sagt Studienleiter Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Bremer Universität auf der Seite antibiotika.faktencheck-gesundheit.de. Die Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt dabei auch: Kinder müssen weniger Antibiotika schlucken, wenn sie von Kinder- und Jugendärzten behandelt werden. Diese verschreiben ihren Patienten deutlich seltener Antibiotika als andere Facharztgruppen.

Antibiotika zur Beruhigung?

Im Vergleich mit vielen anderen europäischen Ländern werden in Deutschland relativ wenig Antibiotika verordnet – allerdings immer noch zu viel, sagen Experten. Damit steigt auch die Gefahr , dass sie keine Wirkung mehr zeigen, wenn sie wirklich notwendig sind. Bisher gibt es noch keine Schnelltests, um bakterielle und virale Infektionen sicher zu unterscheiden. Ängstliche Eltern bestehen bei einer Infektion daher vielfach „vorsichtshalber“ auf Antibiotika für ihr Kind.

Kommentare

  1. Manchmal geht es einfach nicht ohne Antibiotika. Aber eine Erkältung oder auch mal eine ordentliche Grippe bieten doch dem Körper die Möglichkeit, das Immunsystem zu beschäftigen und fit zu halten.

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