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Lebensmittel für Kleinkinder in der Kritik

Hersteller von Babynahrung haben in den vergangenen Jahren neue Produktreihen eigens für Kleinkinder zwischen ein und drei Jahren entwickelt. Ob diese speziellen Lebensmittel tatsächlich gesünder sind für Kleinkinder und die Kennzeichnung eindeutig und verständlich ist, bleibt fraglich. Die Verbraucherzentralen haben bundesweit 59 Produkte geprüft.

Lebensmittel für Kleinkinder in der Kritik

Lebensmittel für Kleinkinder in der Kritik

Das Ergebnis: Lebensmittel für Kleinkinder werden vielfach mit gesundheitsbezogenen Angaben beworben. Kleinkinderlebensmittel sind häufig extra angereichert und gaukeln den Eltern vor, dass diese für ihre Kinder besser geeignet sind als herkömmliche Lebensmittel. Nutzen und Notwendigkeit der Anreicherung sind umstritten. „Kleinkinder benötigen zum gesunden Aufwachsen keine speziellen Lebensmittel und können ab dem 10. Lebensmonat an die normale Familienkost herangeführt werden“, sagt Hedi Grunewald, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Solange diese Produkte weiterhin als diätetische Lebensmittel und als besonders geeignet für Kleinkinder vermarktet werden, muss ihre Eignung und eine Zulassung besonders geprüft werden. Zudem müssen die Bestimmungen der Diät- und die bereits geltenden Regelungen der Health Claims-Verordnung eingehalten und strenger überwacht werden.

Die Untersuchung: Bundesweit wurde die Aufmachung und Kennzeichnung von insgesamt 59 der wichtigsten Anbieter untersucht: 22 Trinkbreie, Milchdesserts und verzehrfertige Müslis, fünf Smoothies und Fruchtpürees, 14 Früchte- und Getreideriegel sowie 18 Menüs für Babys ab 10. Monat bzw. Kleinkinder ab 12. Monat. Fast alle Produkte werben mit nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angaben, einige sind entsprechend angereichert.

Die Produktinformationen können über die tatsächlichen Eigenschaften der Waren hinwegtäuschen: So werden beispielsweise neun von 14 der untersuchten Früchte- und Getreideriegel auf der Schauseite mit dem Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ beworben, tatsächlich enthalten sie aber bis zu 50 Prozent Zucker (Bebivita, Hipp, Nestlé Alete, Rossmann). Zwar findet sich dann auf der Rückseite der Hinweis „Zutaten enthalten von Natur aus Zucker“, aber meist nur versteckt unterhalb eines Verpackungsfalzes. Derart beworbene Produkte sind trotz der Werbung mit gesundheitsbezogenen Aussagen wie „Köstlich fruchtig und gesund – ideal für zwischendurch“ oder „mit Vitamin C – stärkt die Abwehrkräfte“ nichts weiter als Süßigkeiten und damit nicht besser oder schlechter als vergleichbare Produkte ohne Altersangabe.

Andere Produkte werden mit gesundheitsbezogenen Aussagen wie „Rapsöl enthält wertvolle Omega-3-Fettsäuren – wichtig für Gehirn- und Nervenzellen“ oder „Calcium – wichtig für den Knochenaufbau“ beworben. Solche Aussagen finden sich beispielsweise auf allen untersuchten Menüs. Allerdings fehlen notwendige Informationen: Wie viele der Menüs muss ein Kind essen, damit die beworbene Wirkung erreicht wird? Ohne diese Angaben können Verbraucher keine sachgerechte Kaufentscheidung treffen. Nach den Regelungen der Health Claims-Verordnung sind Verzehrmuster bei Werbung mit gesundheitsbezogener Angaben grundsätzlich auf den Verpackungen von Lebensmitteln anzugeben.

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