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Forscher: Gentest sagt wenig über Krebsrisiko aus

Ein Blick auf das Erbgut: Für Forscher galt das lange als Möglichkeiten Krankheiten wie Krebs vorherzusehen. Wissenschaftler aus den USA warnen jetzt nach einer großen Untersuchung vor übertriebenen Erwartungen.

Forscher: Gentest sagt wenig über Krebsrisiko aus

Forscher: Gentest sagt wenig über Krebsrisiko aus

Das Erbgut eines Menschen gibt nur begrenzt Aufschluss auf das Risiko für gefährliche Krankheiten wie Krebs. Das ist das Ergebnis von amerikanischen Forschern nach der Auswertung Tausender Daten. Sie haben dabei die Daten von eineiigen Zwillingen aus früheren Untersuchungen unter die Lupe genommen. „Wir glauben, dass Genomtests kein Ersatz für gängige Strategien zur Krankheitsvorbeugung sein werden“, sagte Bert Vogelstein vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center (Baltimore, USA). Er und sein Team haben die Untersuchung nun im Fachjournal „Science Translational Medicine„.

Immer mehr Krebskranke

Dabei wäre eine solche Früherkennung ein Meilenstein in der Krebsforschung , denn immer mehr Menschen erkranken an Krebs: Im Jahr 2008 sind laut Robert Koch-Institut in Deutschland 470 000 Menschen neu an Krebs erkrankt. Das sind offenbar 70.000 bis 80.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Wissenschaftlern zufolge wird sich die Zahl der Krebskranken aufgrund der steigenden Lebenserwartung bis 2050 sogar verdoppelt haben, wie ein Forscherteam um Graham Colditz von der Washington University im Fachmagazin „Nature Translational Medicine“ schreibt. Der hauptsächliche Grund für den Anstieg von Krebs ist Experten zufolge die demographische Wandel. Immer mehr Menschen in Deutschland sind in einem Alter, in dem Krebserkrankungen häufiger vorkommen.

Gentests zur Krebsfrüherkennung

Doch Vogelstein dämpft die Hoffnungen auf die Früherkennung durch eine Erbgutanalyse. Stattdessen müsse man sich noch auf andere Methoden verlassen:  „Vorausblickendes Screening, frühe Diagnose- und Präventionsstrategien, wie nicht zu rauchen, und die Entfernung von Krebs in frühen Stadien, werden die Schlüssel dazu sein, die Sterberaten durch Krankheiten zu senken“, ergänzt Vogelstein.

Die Forscher haben in ihrer Studie Krankheiten wie Krebs, Alzheimer, Diabetes, Autoimmunerkrankungen, sowie Herzkreislauf- und neurologische Krankheiten beachtet. Insgesamt waren es 24 Krankheiten, auf die in der Studie geachtet wurde. Dabei kamen die Forscher zum Ergebnis: Bei 90 Prozent der Menschen könne ein genetisches Risiko für mindestens eine Krankheit benannt werden. Doch die meisten haben bei den anderen 23 Krankheiten negative Testergebnisse erhalten, obwohl sie später daran erkrankt sind.

Auch bei Menschen, bei denen Krebs in der Familie öfter auftritt, sei eine Erbgutanalyse nur wenig informativ. „Erbliche Krebsarten sind selten. Die meisten Krebsarten entstehen durch Mutationen durch Umwelteinflüsse, Lebensstil und zufällige Genfehler bei der Zellteilung“, sagte Kenneth Kinzler vom Ludwig Center (Johns Hopkins).

Zweithäufigste Todesursache Krebs

Wie das Statistische Bundesamt kürzlich mitteilte, stirbt jeder vierte Bundesbürger an der Krankheit Krebs. Damit ist es laut Robert-Koch-Institut die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauferkrankungen. Die meisten sterben dabei laut Statistik am Lungenkrebs und Bronchialkrebs mit knapp 43 000 Fällen. Es ist damit die häufigste Krebsart.

Der Begriff Krebs steht als Sammelbegriff für die krankhafte Veränderungen von Zellen. Jene teilen sich öfter und schneller als gesunde Zellen im Körper. Denn Wachstum, Reifung sowie Teilung sind bei gesunden Zellen reguliert. Krebszellen vermehren sich im Gegensatz dazu vollkommen unkontrolliert. Dadurch ensteht ein Geschwulst aus entarteten Zellen. Diese bösartigen Neubildungen zerstören gesundes benachbartes Gewebe. Über das Blut und Gefäßsystem (Lymphsystem) können sich die Zellen vermehren und in anderen Organen Tochtergeschwulste bilden, sogenannte Metastasen.

Die genauen Ursachen, die zu einer Krebserkrankung führen, sind bis heute noch nicht geklärt. Es gibt zwar bestimmte Risikofaktoren, vor denen Ärzte immer wieder warnen. Aber was bringt Zellen dazu, zu Krebszellen zu werden? Zu den Risikofaktoren gehören dabei:

  • Genetische Veranlagung
  • Rauchen, Alkohol
  • Ungesunde Ernährung/Übergewicht
  • Infektionen wie Hepatitis B
  • Viren
  • Umweltgifte/Chemikalien
  • Röntgenstrahlen und andere Strahlen
  • Alkohol, Schlaftabletten, rotes Fleisch
  • Wenig Bewegung

Wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, lassen sich rund 40 Prozent aller Tumoreauf vermeidbare Faktoren im Lebensstil zurückführen. Fast die Hälfte aller Krebsfälle wäre demnach vermeidbar.

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